
„Das Elend der Geopolitik“: Wie Putins Weltbild salonfähig wurde
„Das Elend der Geopolitik“ : Wie Putins Weltbild salonfähig wurde Von Hendrik Simon 10.07.2026, 10:02Lesezeit: 3 Min. Der russische Präsident Wladimir Putin leitet eine Sitzung des Sicherheitsrates im Kreml.dpaSeit dem...
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Auf internationaler Bühne bahnt sich eine bedeutende Geschichte an. „Das Elend der Geopolitik“ : Wie Putins Weltbild salonfähig wurde Von Hendrik Simon 10. 2026, 10:02Lesezeit: 3 Min. Der russische Präsident Wladimir Putin leitet eine Sitzung des Sicherheitsrates im Kreml.
dpaSeit dem russischen Angriff auf die Ukraine boomt das Reden über „Einflusssphären“. Der Politikwissenschaftler Klaus Schlichte seziert die Karriere eines Begriffs – und zeigt, warum er mehr verschleiert als erklärt. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Hat Wladimir Putin gesiegt?
Die Einzelheiten
Fast scheint es so, meint Klaus Schlichte, jedenfalls mit Blick auf Putins neoimperiales Narrativ vom Kampf der Großmächte. Tatsächlich hat das Sprechen über „Geopolitik“ seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und der zweiten Amtszeit Donald Trumps eine steile Karriere hingelegt, auch hierzulande: „Einflusssphären“, „Großräume“ und „Kriegstüchtigkeit“ sind in aller Munde und angesichts der Spannungen um die Straße von Hormus auch „Geoökonomie“. Trotz der Omnipräsenz dieser Vokabeln bleibt häufig unklar, was sie eigentlich genau bedeuten sollen.
Klaus Schlichte diagnostiziert zutreffend: Es gibt keine zusammenhängende Theorie im geopolitischen Diskurs, sondern bestenfalls Amalgamierungen unterschiedlicher Denkansätze. -Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F. bei Google bevorzugen „Ideologie der Machtstaatsapologeten“Zentral aber ist stets die Ableitung scheinbar alternativloser außenpolitischer Imperative aus Raumbezügen.
Hier setzt der Bremer Politikwissenschaftler mit seiner pointierten Kritik an. Hinter affirmativer „Geopolitik“ sieht Schlichte kaum mehr als eine bloße „Ideologie der Machtstaatsapologeten“ mit imperialem Unterton – und damit ein politisches Elend. Klaus Schlichte: „Das Elend der Geopolitik“Hamburger EditionIn groben Zügen skizziert Schlichte sodann eine Genealogie der „Geopolitik“ (vorrangig) im deutschsprachigen Raum: von den Anfängen geopolitischen Denkens zwischen 1880 und 1920, namentlich beim Geographen Friedrich Ratzel und seinem Studenten Rudolf Kjellén, über die Weimarer Republik bis hin zum Nationalsozialismus.
Was Experten sagen
Hier wurde die „Geopolitik“ vom Geographen Karl Haushofer als „Lebensraum“ rassistisch aufgeladen. Über das Ende des Dritten Reiches hinaus machte insbesondere Carl Schmitt die Geopolitik für die „Nachkriegszeit“ anschlussfähig. Schmitts Lehre vom „Nomos der Erde“ (1950) stellte die Einheit von Gesetz und Raum, von „Ordnung und Ortung“, in ihr Zentrum.
Mit ihr wurde die nationalsozialistische „Landnahme“ als Schaffung eines eigenen „Großraums“ gerechtfertigt. Es finden sich vielfältige Anknüpfungspunkte an Schmitts Lehre: so etwa im Kreml, in der MAGA-Bewegung, unter chinesischen Großtraumtheoretikern, aber auch – und nicht nur – in der europäischen Rechten.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





