
Nazi-Verfolgung: Zeugen Jehovas erzielen Etappensieg im Streit über Familienarchiv
Naziverfolgung Zeugen Jehovas erzielen im Streit über Familienarchiv einen Etappensieg Ein Archiv erzählt von der Verfolgung der Zeugen Jehovas durch die Nazis. Derzeit liegt es in einem Museum, die Sekte erhebt aber...
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Auf internationaler Bühne bahnt sich eine bedeutende Geschichte an. Naziverfolgung Zeugen Jehovas erzielen im Streit über Familienarchiv einen Etappensieg Ein Archiv erzählt von der Verfolgung der Zeugen Jehovas durch die Nazis. Derzeit liegt es in einem Museum, die Sekte erhebt aber Anspruch darauf. Jetzt wurde ihre Position durch ein Urteil gestärkt.
59 Uhr Zur Merkliste hinzufügen Artikel anhören (3 Minuten) 3 Min X. com Facebook E-Mail Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen X. com Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren SPIEGEL bei Google bevorzugen Bild vergrößern Bundesgerichtshof in Karlsruhe: Jetzt muss erneut über die Sache verhandelt und entschieden werden Foto: Uli Deck / dpa Seit mehreren Jahren streiten die Zeugen Jehovas mit dem Bund um ein umfangreiches Familienarchiv aus der NS-Zeit.
Die Einzelheiten
Die mehr als 1000 Dokumente erzählen die Geschichte der von den Nationalsozialisten verfolgten Familie Kusserow aus Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen. Das Archiv liegt derzeit im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe hat die Glaubensgemeinschaft nun Grund zur Hoffnung, dass ihre Klage auf Herausgabe Erfolg haben könnte.
Das Gericht hob eine frühere Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln auf, das die Klage abgewiesen hatte. Jetzt muss erneut über die Sache verhandelt und entschieden werden. Bruder verkaufte Archiv ans MuseumDie älteste Tochter, Annemarie Kusserow, hatte die Verfolgung ihrer 13-köpfigen Familie von der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis zu ihrer eigenen Verhaftung im Oktober 1944 in Bildern, Briefen, Haftbefehlen und Todesurteilen festgehalten.
Zwei ihrer Brüder wurden von den Nazis hingerichtet, weil sie aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigerten. Weitere Familienmitglieder starben infolge der grausamen Haftbedingungen. Nach ihrem Tod im Jahr 2005 verkaufte einer ihrer Brüder das umfangreiche Archiv an das Museum in Dresden.
Was Experten sagen
Eigentlich hatte Kusserow ihr Erbe aber den Zeugen Jehovas überlassen. Wie es bei dem Bruder landete, ist laut BGH ungeklärt. »Fest steht, dass das Archiv unrechtmäßig an das Museum veräußert wurde«, sagt Sebastian Stock, Sprecher der Zeugen Jehovas.
Mehr zum Thema Neues Mahnmal im Berliner Tiergarten: Wie gedenkt man der Opfer, die auch Täter sind? Ein Gastbeitrag von Stefanie de Velasco Das Kölner Oberlandesgericht muss nun klären, ob Annemarie Kusserow Alleineigentümerin der Dokumente war, wie der Besitzverlust genau erfolgte und ob der Staat ausreichende Nachforschungen zur Berechtigung des Bruders als Verkäufer angestellt hat. 000 Zeugen Jehovas wurden im Nationalsozialismus inhaftiert.
Mehr als 1700 von ihnen starben nach Angaben der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Sie wurden hingerichtet oder starben wegen der schrecklichen Bedingungen in der Haft. Erst am Mittwoch wurde in Berlin ein Mahnmal für die Religionsgemeinschaft eingeweiht.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





