
NSDAP-Mitgliedschaft und andere Familiengeheimnisse: So sprechen Sie mit Verwandten darüber
Foto: Lea Rossa / DER SPIEGEL; picture alliance / arkivi Rolle in der Nazizeit So sprechen Sie mit Verwandten über dunkle Familiengeheimnisse Opa war in der NSDAP. Und nun? Therapeut Henrik Kessler erklärt, wie Sie in...
July 31 — İsrail x Hizbullah ile kalıcı barış anlaşması...?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Foto: Lea Rossa / DER SPIEGEL; picture alliance / arkivi Rolle in der Nazizeit So sprechen Sie mit Verwandten über dunkle Familiengeheimnisse Opa war in der NSDAP. Therapeut Henrik Kessler erklärt, wie Sie in der Familie über unbequeme Erinnerungen sprechen können – und warum man nicht zu sehr bohren sollte. Ein Interview von Heike Klovert 19.
53 Uhr Zur Merkliste hinzufügen X. com Facebook E-Mail Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen X. com Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren Sie können den Artikel leider nicht mehr aufrufen.
Die Einzelheiten
Der Link, der Ihnen geschickt wurde, ist entweder älter als 30 Tage oder der Artikel wurde bereits 10 Mal geöffnet. SPIEGEL: Herr Kessler, mit der Suchmaschine des SPIEGEL lässt sich seit einiger Zeit schnell und relativ sicher herausfinden, ob jemand der NSDAP angehörte. Was raten Sie Menschen, die auf eine unbequeme Information stoßen und diese in ihren Familien erstmals ansprechen möchten?
Kessler: Zunächst sollten sie sich bewusst machen, dass es einen Grund dafür geben könnte, wenn jemand darüber bisher nicht gesprochen hat. Wer mit sich und seiner Vergangenheit im Reinen ist, kann darüber reden, auch spontan. Opa hat wahrscheinlich immer gern davon erzählt, wie er früher an Autos herumgeschraubt hat, aber nie vom Zweiten Weltkrieg.
Es kann sein, dass die Vergangenheit schmerzhaft und entsprechend tief vergraben ist. So etwas anzusprechen, erfordert enormes Feingefühl. Ich würde dazu raten, nicht zu sehr zu bohren und lockerzulassen, wenn man merkt, dass das Gespräch stockt.
Was Experten sagen
Foto: Klinikum Fulda Henrik Kessler, 50, ist Professor der Universität Marburg und Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Fulda. Er arbeitet therapeutisch mit Menschen, die unter belastenden Erfahrungen leiden. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich zudem mit der Frage, wie Erinnerungen entstehen, wie sie sich mit der Zeit verändern und warum wir Erlebnisse verdrängen.
SPIEGEL: Hat man nicht Anspruch darauf, auch von den dunklen Kapiteln seiner oder ihrer Familiengeschichte zu erfahren? Kessler: Ich würde sagen, jeder hat das Recht, danach zu fragen. Es ist wichtig und nachvollziehbar, sich dafür zu interessieren, wer man ist und woher man kommt.
Das dient dazu, das eigene Selbst zu bilden. Gleichzeitig kann man aber auch eine Art »Recht auf Verdrängen« postulieren, welches dazu dient, das eigene Selbst zu schützen. Ich meine damit explizit nicht die juristischen Aspekte: Verbrechen müssen aufgearbeitet werden und rechtliche Konsequenzen haben.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.




