
Schneider wird Schwerte: Wie ein SS-Mann 1945 neu anfing
Schneider wird Schwerte : Wie ein SS-Mann 1945 neu anfing Von Jörg Später 01.07.2026, 13:07Lesezeit: 5 Min. Hans Schwerte, Rektor der Technischen Hochschule Aachen, anlässlich der Hundertjahrfeier der Hochschule im...
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Auf internationaler Bühne bahnt sich eine bedeutende Geschichte an. Schneider wird Schwerte : Wie ein SS-Mann 1945 neu anfing Von Jörg Später 01. 2026, 13:07Lesezeit: 5 Min. Hans Schwerte, Rektor der Technischen Hochschule Aachen, anlässlich der Hundertjahrfeier der Hochschule im Rathaussaal.
Schneider ist 1995 als ehemaliger SS-Offizier Hans Ernst Schneider enttarnt worden. Picture AllianceNach Kriegsende tauchten Zehntausende unter. Einige schafften es bis ganz nach oben: Der SS-Angehörige Schneider wurde unter neuem Namen Rektor, förderte die Demokratie und glaubte, seine Schuld getilgt zu haben.
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Der Fall Siegfried Unseld hat wieder daran erinnert, dass der Aufbau der westdeutschen Nachkriegsdemokratie sich auch auf eine bestimmte linksliberale Elite stützte, die in den Jahren des Nationalsozialismus in die NSDAP, die SA, SS oder in parteinahe universitäre Verbände und Organisationen eingetreten war, ohne später darüber zu sprechen. In den Nullerjahren wurde eine ganze Reihe solcher Fälle bekannt: Walter Jens und Günter Grass, Walter Höllerer und Dieter Hildebrandt, Siegfried Lenz und Martin Walser. Im Jahr 1998 fand zudem jener Frankfurter Historikertag statt, der Startpunkt für Ermittlungen zur Verstrickung deutscher Historiker in den Nationalsozialismus war, inklusive der Väter der Sozialgeschichte wie Werner Conze.
Auch die Institutionenforschung über belastete Vergangenheit begann nun. Dabei ging es um die Frage, wie angesichts solcher Belastungen die Demokratisierung oder Liberalisierung, manche sprachen von Verwestlichung, der Nachkriegsdemokratie in der Bundesrepublik möglich war. „Vergangenheitspolitik“ und „Verwandlungspolitik“ waren die Stichworte.
-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F. bei Google bevorzugen Nach der EnttarnungBereits 1995 hatte ein spektakulärer Fall die Öffentlichkeit erregt: Der Germanist und Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Hans Schwerte, war in seinem früheren Leben Hans Ernst Schneider gewesen, ein 1909 geborener Mitarbeiter des SS-Ahnenerbes, der in den Niederlanden und Belgien möglicherweise auch Geräte und Material für Menschenversuche in Konzentrationslagern beschafft hatte. 1945 hatte er in den Wirren des Kriegsendes eine neue Identität angenommen, was nicht selten vorkam, das Bundesfamilienministerium schätzte 1954 eine Zahl von 60.
Was Experten sagen
000 solcher „U-Boote“. Angelina Pils: „Schneider/Schwerte“. Ein westdeutsches Doppelleben 1945–1999WallsteinSchwerte heiratete die „Witwe Schneider“ ein zweites Mal, und der bereits während des Nationalsozialismus Promovierte schrieb eine weitere Doktorarbeit.
Später habilitierte er sich in Erlangen als Assistent des Germanisten Hans Otto Burger, ehemals Mitglied der SA und NSDAP, mit einer ideologiekritischen Arbeit über den „Faust und das Faustische“. Schließlich wurde Schwerte Rektor der RWTH Aachen und war der sozialdemokratischen NRW-Landesregierung ein guter Partner bei der Modernisierung und Demokratisierung der Hochschullandschaft.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.




