
Soziologische These: Die meisten waren immer Materialisten
Soziologische These : Die meisten waren immer Materialisten Von Gerald Wagner 01.07.2026, 08:40Lesezeit: 3 Min. Bleibende Werte – über die Generationen hinwegdpaEine berühmte These soll erklären, warum der...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Soziologische These : Die meisten waren immer Materialisten Von Gerald Wagner 01. 2026, 08:40Lesezeit: 3 Min. Bleibende Werte – über die Generationen hinwegdpaEine berühmte These soll erklären, warum der Postmaterialismus den Aufstieg populistischer Parteien gefördert hat.
Allerdings stimmt sie hinten und vorne nicht. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App In den westlichen Gesellschaften habe es einen „postmaterialistischen Wertewandel“ gegeben. Diese These hat der amerikanische Politologe Ronald Inglehart bereits 1971 in seiner bahnbrechenden Studie „The Silent Revolution“ aufgestellt, und sie gehört heute zum Selbstverständnis auch der deutschen Gesellschaft.
Die Einzelheiten
Danach seien Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden – heute also längst die übergroße Mehrheit der Bevölkerung –, Postmaterialisten. Damit wurde unter anderem das Erstarken rechtspopulistischer Parteien erklärt, nämlich als eine Art autoritärer Reflex („Cultural Backlash“), der zunehmend in Bedrängnis geratenen Anhänger traditioneller, also materialistischer Werte. Träfe diese Erklärung zu, müssten die Wähler dieser Parteien schwerpunktmäßig in den älteren Geburtskohorten zu finden sein, da sich nur hier noch Materialisten finden sollten.
Allerdings stimmt das schon empirisch nicht. In Deutschland findet die AfD nämlich ihre größte Unterstützung bei Personen mittleren Alters und nicht bei den ganz Alten. -Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.
bei Google bevorzugen Materialismus bedeutet hier etwa: Sicherheit vor FreiheitDer Politologe Markus Klein von der Universität Hannover erklärt diesen Befund jetzt damit, dass diese fehlerhaften Vorhersagen der Cultural-Backlash-Theorie darauf zurückzuführen seien, dass es den von Inglehart entdeckten intergenerationalen Wertewandel in Wahrheit gar nie gegeben habe. Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. jetzt lesen In der „Allgemeinen Bevölkerungsumfrage“ (ALLBUS) wird der sogenannte Inglehart-Index zur Erfassung der gesellschaftspolitischen Werteorientierungen seit 1980 erhoben.
Was Experten sagen
Wer laut diesem Index die „Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in diesem Land“ höher schätzt als den „Schutz des Rechts auf freie Meinungsäußerung“, wird als Materialist gezählt. Wer dagegen „mehr Einfluss der Bürger auf Regierungsentscheidungen“ dem „Kampf gegen steigende Preise“ vorzieht, gehört zu den Postmaterialisten. Inglehart zufolge sollte der Wertewandel in den westlichen Gesellschaften zu einem stetigen Anstieg der Postmaterialisten führen, insbesondere unter den jüngsten Geburtskohorten.
Kleins Daten zeigen allerdings ein ganz anderes Bild: Ein kontinuierlicher Anstieg der Postmaterialisten in der deutschen Gesellschaft ist nicht feststellbar. In Westdeutschland lag er nur 1990 und 2016 einmal kurz über der 30-Prozent-Marke, um dann bis 2023 sowohl in West- als auch in Ostdeutschland wieder auf rund 18 Prozent zu fallen. Postmaterialisten stellten höchstens ein Drittel.
Das Thema zählt nun zu den wichtigsten Punkten der globalen Agenda.




