
Alma Hirschels Erzählungen: „Da ist nichts zu beschreiben“
Alma Hirschels Erzählungen : „Da ist nichts zu beschreiben“ Von Jakob Hessing 07.05.2026, 22:06Lesezeit: 4 Min. Alma Hirschel, spätere Klüger (rechts) mit ihrer Tochter Ruth, undatierte AufnahmeLiteraturarchiv der...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Alma Hirschels Erzählungen : „Da ist nichts zu beschreiben“ Von Jakob Hessing 07. 2026, 22:06Lesezeit: 4 Min. Alma Hirschel, spätere Klüger (rechts) mit ihrer Tochter Ruth, undatierte AufnahmeLiteraturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, Vorlass Ruth Klüger LIT 466/18Alma Hirschel überlebte Auschwitz, rettete zwei Kinder und schrieb später ihre Geschichte auf.
Doch ihre Erzählungen fanden keinen Verlag. Erst jetzt, fünfzig Jahre später, sind sie endlich erschienen. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App „Das Neue Jahr 1938 war in Wien mit den üblichen Fanfaren und Festlichkeiten gefeiert worden.
Die Einzelheiten
Eine besonders schöne Aufführung des ‚Rosenkavaliers‘ in der Oper, der große Neujahrsball, es wurde getanzt und getrunken. “ Wien ist immer die Stadt der Musik und der Feste gewesen, aber schon der erste Satz der Erzählung macht deutlich, worum es hier wirklich geht. 1938 ist das Jahr des Anschlusses, und bald werden andere Fanfaren in der Stadt zu hören sein.
Alma Hirschel (1903 bis 2000) hat die Schoa überlebt und später zwei Erzählungen über diese Zeit geschrieben. Jetzt, mehr als fünfzig Jahre nach deren Niederschrift und 25 Jahre nach dem Tod der Autorin, werden sie veröffentlicht. Die Protagonistin der ersten Erzählung heißt Berta.
Sie ist Jüdin, Ehefrau eines Arztes und Mutter einer Tochter. Auf den ersten Seiten ist sie auf dem Heimweg durch die politisch gespannte Stadt, und in ihrer gutbürgerlichen Wohnung betritt sie das Kinderzimmer. „Die sechsjährige Ruth war gerade vom Kindermädchen begleitet nach Hause gekommen“: Der scheinbar unscheinbare Satz ist eine stille Pointe des Buches.
Was Experten sagen
Der Tod, nicht der Sex war das GeheimnisHirschel schreibt einen kaum verschlüsselten Bericht über die schwersten Jahre ihres Lebens. Ihr zweiter Ehemann, dem sie in der Erzählung den Namen Klinger gibt, war der Wiener Kinderarzt Viktor Klüger, der von den Nazis ermordet wurde, und ihre Tochter war Ruth Klüger (1931 bis 2020): Anderthalb Jahrzehnte nach der Mutter schrieb auch die Tochter ein Buch über diese Zeit, das unter dem Titel „weiter leben – Eine Jugend“ zur literarischen Sensation des Jahres 1993 wurde. Alma Hirschel: „Überleben“.
WallsteinAlma Hirschel ist das nicht gelungen. „Viktor war drei Mal beim amerikanischen Konsulat gewesen“, schreibt sie über ihren Mann, der seine Familie vor der nahenden Katastrophe zu retten versuchte: „Er berichtete, dass lange Schlangen von Menschen vor dem Konsulat ständen und dass eine lange Liste Wartender vor ihm wäre. “ Der Text bleibt merkwürdig leblos, und man glaubt zu spüren, warum er damals keinen Verlag gefunden hat.
Wer blickt den Menschen in die Seele, und wer kann wissen, ob auch die Sprachlosigkeit der Mutter ein Grund dafür war, dass Ruth Klüger ihre Geschichte noch einmal erzählt hat? „Der Tod, nicht Sex war das Geheimnis, worüber die Erwachsenen tuschelten.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





