
Büchner-Preis für Wunnicke: Über Helden schreibt sie nicht
Büchner-Preis für Wunnicke : Über Helden schreibt sie nicht Ein Kommentar von Jürgen Kaube 09.07.2026, 15:33Lesezeit: 3 Min. Christine Wunnicke bei der Verleihung des Literaturpreises der Stadt München (2020) im...
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Hier sind die aktuellen Nachrichten aus aller Welt: Büchner-Preis für Wunnicke : Über Helden schreibt sie nicht Ein Kommentar von Jürgen Kaube 09. 2026, 15:33Lesezeit: 3 Min. Christine Wunnicke bei der Verleihung des Literaturpreises der Stadt München (2020) im Literaturhaus.
Picture AllianceWo findet sie immer diese Figuren? Wie kommt es, dass ihre Entdeckungen eine ganze Welt spiegeln können? Christine Wunnicke ist eine der stilbewusstesten Autorinnen unserer Zeit.
Die Einzelheiten
Nun erhält sie den Büchner-Preis. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Sie sei philosophisch geboren, nur trage sie es nicht ständig zu Markte. Das entgegnet die Anatomin Marie Bihéron in Christine Wunnickes Roman „Wachs“ dem Schriftsteller Denis Diderot, als er, der seine Philosophie ständig zu Markte trug, sich über ihre Ideen erstaunt.
In diesem Satz ist ein Selbstporträt der Autorin enthalten. Auch Christine Wunnicke ist philosophisch geboren, ist eine Schriftstellerin, die etwas zu denken geben will. Durch ein Erzählen, das, obzwar anekdotisch und exemplarisch, sich jeder Moral von der Geschicht’ entzieht.
Denn es sind seltene Exemplare, mit denen uns Wunnicke in ihren historischen Romanen bekannt macht und niemals vertraut. Wer könnte denn auch vertraut sein mit dem zwölfjährigen Mädchen, das mitten in der Nacht auf einem Pariser Kasernenhof erscheint, um von den Soldaten eine Leiche zu erbitten, um sie zu sezieren? Oder mit dem vermeintlichen Medium Florence Cook, das zu untersuchen 1870 der Parapsychologe William Crooke im Roman „Katie“ unternimmt.
Was Experten sagen
Oder mit Simon Chrysander, dem schwedischen Biologen, der in „Die Kunst der Bestimmung“ 1678 die naturkundlichen Sammlungen der Royal Society ordnen will, während ein junger Lord ihn in Luxus und Laster Londons hineinzuziehen versucht. -Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F. bei Google bevorzugen Recherche und PhantasieEs sind seltsame Vögel, denen Wunnicke mit großem Ernst und Humor folgt, um Lebensläufe episodisch nachzuzeichnen, die sich gängigen Einteilungen entziehen.
Ein Samurai in Friedenszeiten, ein japanischer Nervenarzt, der sich mit Patienten befasst, die von einem Fuchs besessen sind, was ihm selbst widerfährt, der Kastrat Filippo Balatri, dem Wunnicke eine Biographie gewidmet hat, der Mathematiker Niebuhr, der sich 1764 auf Elephanta in einer Komödie des vergeblichen Fremdverstehens mit dem persischen Astronomen al-Lahuri austauscht. Nun erhält Christine Wunnicke, kurz vor ihrem sechzigsten Geburtstag, den Georg-Büchner-Preis des Jahres 2026. Es bekommen ihn Schriftsteller, die ein Werk haben.
Wunnicke hat eines der eigensinnigsten in der deutschen Literatur der Gegenwart. Seit mehr als dreißig Jahren verfolgt sie die Spuren teils historisch verbürgter, teils von ihr erfundener Figuren. Sie erfindet etwas in die Geschichte hinein.
Das Thema zählt nun zu den wichtigsten Punkten der globalen Agenda.





