
Bundesregierung: Reform ist nie gerecht
Bundesregierung : Reform ist nie gerecht Ein Kommentar von Jochen Buchsteiner, Berlin 10.05.2026, 11:02Lesezeit: 3 Min. Will Reformen, „in denen sich alle wiederfinden“: Matthias Miersch, SPD-Fraktionsvorsitzender im...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Bundesregierung : Reform ist nie gerecht Ein Kommentar von Jochen Buchsteiner, Berlin 10. 2026, 11:02Lesezeit: 3 Min. Will Reformen, „in denen sich alle wiederfinden“: Matthias Miersch, SPD-Fraktionsvorsitzender im Deutschen Bundestag, hier bei einer Plenarsitzung im Januar.
REUTERSAuch wenn es niemand offen sagen will: Zu wirksamen Veränderungen gehören Verlierer. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App In der Bundesregierung, aber auch in der Öffentlichkeit, setzt sich ein Missverständnis fest. Gelungene Reformen, heißt es plötzlich, müssten alle Bürger „mitnehmen“.
Die Einzelheiten
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch verlangt „Pläne, in denen sich alle wiederfinden“, seine saarländische Parteifreundin Anke Rehlinger findet, man solle sich jetzt gemeinsam „unterhaken“. Die CDU wiederum lobt (in Gestalt des Abgeordneten Mathias Middelberg) die debattierte Gesundheitsreform, „weil alle betroffen sind“. Wenn das die Marschroute bleibt, darf sich niemand wundern, wenn die Reformen der Koalition hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Denn eine Reform, der alle zustimmen, ist keine. Wer „reformiert“, reagiert auf einen tatsächlichen oder ideologisch wahrgenommenen Missstand. Daraus ergeben sich zwei Typen von Veränderung: die notwendige und die experimentelle.
Zu letzterer zählen, aus konservativer Sicht, die Bildungsreformen der 1970er-Jahre, weil sie einer „Expansion“ akademischer Bildungschancen das Wort redeten und damit ein weitgehend intaktes System überwinden wollten. Die geringere Legitimation experimenteller Veränderungen erzwingt einen breiteren Konsens, der auch mit dem Versprechen erreicht werden mag, dass alle etwas davon haben werden. Der einen Seite wird genommen, der anderen gegebenAnders ist das bei notwendigen Reformen, die auf offenkundige Bedrängnisse reagieren, seien sie militärischer, politischer oder ökonomischer Natur.
Was Experten sagen
Mit dem Zurechtrücken, wie man das lateinische re-formare frei übersetzen kann, sollen die Dinge wieder in ein günstigeres Verhältnis gesetzt werden. Man kann das mit einem schief hängenden Bild vergleichen: Wird es links nach oben geschoben, sackt es unweigerlich rechts nach unten. Auf die Gesellschaft übertragen: Der einen Seite wird gegeben, der anderen genommen.
In der Geschichte sucht man vergeblich nach einer notwendigen Reform, die von allen Betroffenen als ausgewogen oder gar als „gerecht“ empfunden wurde. Schon vor unserer Zeitrechnung gab es erste Reformopfer. Um sich besser im Kampf gegen Kimbern und Teutonen zu schlagen, verfügte der römische Feldherr Gaius Marius unter anderem, dass seine Tross-Soldaten ihr Gepäck fortan selbst tragen mussten.
Reaktionen sind nicht überliefert, aber man kann sich vorstellen, dass sich die Legionäre in den hinteren Reihen von dieser frühen Heeresreform nicht so recht mitgenommen fühlten.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.




