
Fender Stratocaster: Kann eine Gitarre Kunst sein?
Fender Stratocaster : Kann eine Gitarre Kunst sein? Ein Kommentar von Stefan Trinks 29.06.2026, 08:38Lesezeit: 2 Min. Mark Knopflers Signature Edition Fenderpicture alliance/dpa/PA MediaBei der Gitarre Fender...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Fender Stratocaster : Kann eine Gitarre Kunst sein? Ein Kommentar von Stefan Trinks 29. 2026, 08:38Lesezeit: 2 Min.
Mark Knopflers Signature Edition Fenderpicture alliance/dpa/PA MediaBei der Gitarre Fender Stratocaster handelt es sich um richterlich beglaubigte Kunst. Ein Musikalienhändler hält dagegen, es sei nur Industriedesign. Der Hersteller könnte sich auf Picasso berufen.
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Endlich hatte sie es geschafft, ihren gesamten kurvigen Körper vor Gericht als Kunstwerk urheberrechtlich schützen zu lassen, nicht nur wie bisher den markant geformten Kopf. Die Rede ist nicht etwa von Kim Kardashian, Kendall Jenner oder anderen weniger kunstvoll als künstlich veränderten Frauen, sondern vielmehr von einer Gitarre, ach was, der Gitarre schlechthin, entworfen vom 1991 gestorbenen Leo Fender. Ende vergangenen Jahres war es in Nordrhein-Westfalen zu einer weitreichenden gerichtlichen Entscheidung gekommen, der Anerkennung der Fender Stratocaster als Kunstwerk.
Vor dem Landgericht Düsseldorf wurde ein Streit um im Handel deutlich günstigere Nachbauten, im konkreten Fall chinesischer Herkunft, ausgefochten. -Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F. bei Google bevorzugen Seit das „Model“-Modell 1954 auf den Markt kam, wurde es rund zwei Millionen Mal verkauft, die Nachbauten kosten jedoch nur einen Bruchteil des Originals.
Ein großer deutscher Instrumentenhändler, der Gitarren mit vergleichbar s-förmig geschwungener Silhouette verkauft und auch selbst herstellt, geht aktuell gegen die Abmahnung, die Fender auch gegen ihn angestrengt hat, vor. Kern seiner Argumentation: Es handele sich um schnödes Industriedesign – mit nur 25 statt 70 Jahren Urheberschutz – und nicht um angewandte Kunst. Was aber macht dieses im Kern hölzerne Instrument als Ganzes eben doch zur Kunst?
Was Experten sagen
Man schaue auf Picasso; dessen Phase des analytischen Kubismus würde ohne das Zerlegen bauchiger Gitarrenkörper etwas Elementares fehlen. Vom Klang ist damit nichts gesagtFreilich handelt es sich bei dem vom Künstler abgebildeten Instrument nicht um eine Stratocaster, doch die Idee des Spaniers ging in die gleiche Richtung: die Form des Rumpfes und des Kopfes lassen bei vielen Betrachtern Anklänge an einen weiblichen Körper aufkommen. Leo Fender gönnte dem Instrument auf Anraten des Gitarristen Rex Gallion eine Einbuchtung in Höhe des Rippenbogens des Spielers.
So kann sich dieser an seine sehr musikalische Gefährtin anschmiegen. Diese Argumentation übernahm auch das Düsseldorfer Gericht. Der Korpus der E-Gitarre mit seiner kantenlosen, weich geschwungenen Gestaltung wecke Assoziationen an einen weiblichen Rumpf aus Hüfte, Taille und Armen, so wie Brâncuși seine Frauenfiguren als stilisierte Urtypen formte.
Für viele Gitarristen gilt diese Assoziation der Richter ohnehin.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





