
Georg Baselitz tot: Malerei als Vergangenheitsbewältigung
Georg Baselitz tot : Malerei als Vergangenheitsbewältigung Von Stefan Trinks 30.04.2026, 17:53 Lesezeit: 6 Min. Bildbeschreibung ausklappen Maler Georg Baselitz 2006 in seinem Atelier im Schloß Derneburg Frank Röth...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Georg Baselitz tot : Malerei als Vergangenheitsbewältigung Von Stefan Trinks 30. 2026, 17:53 Lesezeit: 6 Min. Bildbeschreibung ausklappen Maler Georg Baselitz 2006 in seinem Atelier im Schloß Derneburg Frank Röth Unbotmäßig war er immer, anregend auch: Zum Tod des Malers und Bildhauers Georg Baselitz Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Alles begann mit einem kopfstehenden Baum, wir schreiben das Jahr 1969.
Doch handelte es sich nicht um irgendein Gewächs, vielmehr um den Baum des Künstlers Georg Baselitz aus seiner Heimat, einer mächtigen, entlaubt-knorrigen Eiche aus dem Ölgemälde „Wermsdorfer Wald“ des sächsischen Malers Ferdinand von Rayski von 1859. Nach dem Vorbild dieser spätromantischen Eiche malte Baselitz „Wald auf dem Kopf“, sein erstes Bild, bei dem das Motiv kopfsteht – eine Schubumkehr des Blicks, für die er nachmalig hauptsächlich bekannt und mit der er fast deckungsgleich assoziiert wurde, bis in die Schwundstufen der Karikatur hinein. Baselitz jedoch hatte Rayskis Bild schon als Jugendlicher Mitte der Fünfzigerjahre in den Dresdner Kunstsammlungen kennen und lieben gelernt, zusammen mit anderen Hauptwerken der sogenannten Alten Meister, die wie Rembrandt für seine spätere morastig dunkle Farbigkeit noch von Bedeutung sein sollten.
Die Einzelheiten
Namenswechsel von Georg Kern auf Baselitz Wie sehr verwurzelt und verbunden er trotz Rauswurfs und früher Aussiedlung wegen unbotmäßigen Verhaltens an der DDR-Kunstkaderschmiede Weissensee seiner Herkunftsregion und ihrer Kultur blieb, zeigt allein schon der Namenswechsel von Georg Kern auf Baselitz, durch den er für immer mit seinem Geburtsort Deutschbaselitz bei Kamenz verbunden blieb. Drei Grundlagen seiner Kunst wurden demnach bereits in Baselitz‘ Jugend in Sachsen festgelegt: Das erste kopfstehende Motiv entstammt der Spätromantik, deren dunkel eingefärbte Spielart ihn von früh an fesselte. Und um zu den psychologisch tiefen, dunkelbraunen Hintergründen Rembrandts zu gelangen, aus denen die Gesichter oft nur kurz aus einem vagen Raum der Unbestimmtheit und auch Unsicherheit hervorzulugen scheinen, nur um gleich darauf wieder in ihm zu versinken, kratzt er in der Nachkriegszeit die eingetrockneten und mit Dreck verunreinigten Farbreste vom Atelierboden.
Danach verreibt er sie zu gewollt schmutzigen neuen Farben, um etwa in seinem skandalisierten Anti-Kriegsbild „Die große Nacht im Eimer“ 1962/1963 die anhaltende Kontamination der deutschen Schweigegemeinschaft schon im unreinen Kolorit anzuzeigen. Das wabernde Braun der Rembrandts aus Dresdens Galerie Alte Meister blieb ihm dabei maßgeblich. Wohltuend uneuropäisch-archaische Plastiken Ebenso prägend waren die roh gehauenen und mit kräftigen Farben bemalten Holzmenschen der Expressionisten in der Dresdner Galerie Neue Meister, die eine Intensivschulung des Geschmacks für Generationen junger Künstler in der DDR waren.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





