
Inga Klein über Hochstapler: „Es ist möglich, aus dem eigenen Scheitern ein Geschäft zu machen“
Inga Klein über Hochstapler : „Es ist möglich, aus dem eigenen Scheitern ein Geschäft zu machen“ Von Melanie Mühl 30.04.2026, 06:07 Lesezeit: 7 Min. Bildbeschreibung ausklappen Medien als Komplizen: Julia Garner als...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Inga Klein über Hochstapler : „Es ist möglich, aus dem eigenen Scheitern ein Geschäft zu machen“ Von Melanie Mühl 30. 2026, 06:07 Lesezeit: 7 Min. Bildbeschreibung ausklappen Medien als Komplizen: Julia Garner als Anna Sorokin in der Netflix-Produktion „Inventing Anna“ (2022) Picture Alliance Manche Hochstapler legen nach ihrer Enttarnung eine zweite Karriere hin: Sie schreiben Bücher und werden zu Figuren öffentlicher Faszination.
Ihre Opfer hingegen machen sie lächerlich, so die Kulturwissenschaftlerin Inga Klein. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Frau Klein, unter den Betrügern gilt der Hochstapler als besonders raffiniert. Der Kriminologe Erich Wulffen, der 1923 das Buch „Die Psychologie des Hochstaplers“ schrieb, nennt ihn „geistige Elite“.
Die Einzelheiten
Stimmen Sie dieser Aussage zu? Es gibt für mich keine Hierarchie in der Geschicklichkeit oder Eleganz der Täuschung. Aber es ist eine Definition, die bis heute trägt und die man auch im Kontext der Zeit betrachten muss.
Der Hochstapler galt und gilt als eine besondere Form des Kriminellen, weil er es schafft, eine moralische Ambivalenz für sich zu reklamieren. Sie haben dem Phänomen nun ein eigenes Buch gewidmet, „Hochstapelei als medienkulturelle Figuration“. Woher rührt Ihr Interesse an der Figur des Hochstaplers?
Bei der Vorbereitung einer Lehrveranstaltung bin ich auf einen Dokumentarfilm über Hochstapler gestoßen. Während ich ihn sah, ertappte ich mich bei dem Gedanken: Das hätte ich auch geglaubt – und musste sogar schmunzeln. Ein halbes Jahr später kam dann der Fall Karl-Theodor zu Guttenberg, und plötzlich war dieses Schmunzeln verschwunden.
Was Experten sagen
Ich fand es irritierend, dass zwei Fälle unter Hochstapelei verhandelt werden, ich aber völlig unterschiedlich darauf reagiere. Einmal amüsiert, einmal empört. Mich hat interessiert: Wie wird uns Hochstapelei eigentlich medial präsentiert?
Und wie nehmen wir sie wahr? Wie sind Sie bei Ihrer Recherche vorgegangen? Reale Hochstapelei ist wissenschaftlich ja nur ex post zugänglich, also nach der Entdeckung.
Ich habe also nach öffentlichen Selbstdarstellungen von überführten Hochstaplern und Hochstaplerinnen gesucht und bin auf mehrere Autobiographien gestoßen, die alle zwischen 2001 und 2014 erschienen sind. Parallel dazu habe ich die Presseberichterstattung der überregionalen Medien zu den Fällen qualitativ-inhaltsanalytisch untersucht. Das umfasst etwa den Zeitraum zwischen 1985 und 2015.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.




