
Jüdisches Exil: Die vielen Melodien der Vertreibung
Jüdisches Exil : Die vielen Melodien der Vertreibung Von Thomas Maier 02.07.2026, 12:30Lesezeit: 6 Min. Victor Schlichter (im weißen Anzug) trifft mit seinem Quartett Los Bohemios Vieneses 1936 in Buenos Aires...
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Hier sind die aktuellen Nachrichten aus aller Welt: Jüdisches Exil : Die vielen Melodien der Vertreibung Von Thomas Maier 02. 2026, 12:30Lesezeit: 6 Min. Victor Schlichter (im weißen Anzug) trifft mit seinem Quartett Los Bohemios Vieneses 1936 in Buenos Aires ein.
Andrés SchlichterIn Buenos Aires hat eine Wissenschaftlerin das Schicksal von fast 150 in der NS-Zeit vertriebenen jüdischen Musikern erforscht. Die Nachfahren wollen das Vermächtnis der Emigranten auch in Deutschland sichern. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Silvia Glocer schleppt eine schwere Umzugskiste in ihr Arbeitszimmer und holt daraus einen Stapel mit Noten.
Die Einzelheiten
„Die Ballade vom Huhn“ steht in deutscher Handschrift auf der Titelseite der Partitur. Auf derselben Seite steht in Spanisch „El Conejo Gus Gus Gustavo“, jeweils versehen mit Anleitungen für die Aufführung. Die Kinderlieder vom Huhn und vom Kaninchen namens Gustavo verraten, dass der Komponist in zwei Sprachen zu Hause war.
Der in Wien gebürtige Victor Schlichter (1903–1986) hat in Argentinien nach dem Zweiten Weltkrieg die Musik für zahllose Filme und Theaterstücke geschrieben – und wurde mit Kinderliedern, die noch heute fast jeder kennt, eine Berühmtheit. In Deutschland und Österreich, wo Schlichter vor seiner Flucht vor den Nationalsozialisten 1936 als Geiger und Kapellmeister gewirkt hat, ist er so gut wie vergessen. Auf Deutsch gibt es über ihn – anders als im Spanischen – nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag.
Genau diese kulturelle Auslöschung war ein Ziel des Nationalsozialismus. Dass Schlichter in seiner Heimat jetzt wieder in Erinnerung gerufen wird, ist Silvia Glocer zu verdanken. Vor zwanzig Jahren begann sie für ihre Doktorarbeit, den Spuren der in der Nazizeit nach Argentinien vertriebenen jüdischen Musiker nachzugehen.
Was Experten sagen
-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F. bei Google bevorzugen „Als ich anfing, dachte ich, es geht um die Zahl von sieben“, sagt Glocer, die in einem Vorort von Buenos Aires lebt. Inzwischen hat sie mehr als 140 teils sehr namhafte Musiker gefunden, die zwischen 1933 und 1945 in Argentinien Asyl und Arbeit fanden; die meisten davon Männer, aber auch einige Frauen, vor allem Opernsängerinnen wie die Berliner Sopranistin Lili Heinemann (1909–2006).
Daraus ist ein Buch und auch ein Dokumentarfilm mit dem Titel „El exilio de los músicos“ (Das Exil der Musiker) entstanden, der vor einigen Monaten in Frankfurt seine Deutschland-Premiere hatte. Bis 1938 waren Argentiniens Grenzen offenArgentinien ist seit Langem vor allem als Zielort für berüchtigte NS-Größen bekannt wie den KZ-Arzt Josef Mengele oder Adolf Eichmann, der unter Hitler maßgeblich die Vernichtung der europäischen Juden organisierte. 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst Mossad aus Buenos Aires entführt und zwei Jahre später in Israel hingerichtet.
Viele bekannte Nazis fanden in Argentinien die wohlwollende Duldung von General Juan Perón, der 1946 Präsident wurde und schon im Krieg mit den faschistischen Achsenmächten sympathisiert hatte.
Das Thema zählt nun zu den wichtigsten Punkten der globalen Agenda.





