
Kolumne „zurück zur natur“: Die Illusion vom glücklichen Bioschwein
Kolumne „zurück zur natur“ : Die Illusion vom glücklichen Bioschwein Ein Kommentar von Wiebke Hüster 10.07.2026, 12:20Lesezeit: 4 Min. Dem Mastbetrieb entkommen: Auf einem Lebenshof wachsen diese beiden Ferkel im Heu...
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Auf internationaler Bühne bahnt sich eine bedeutende Geschichte an. Kolumne „zurück zur natur“ : Die Illusion vom glücklichen Bioschwein Ein Kommentar von Wiebke Hüster 10. 2026, 12:20Lesezeit: 4 Min. Dem Mastbetrieb entkommen: Auf einem Lebenshof wachsen diese beiden Ferkel im Heu auf.
Alice BaldwinWarum lässt die Gesellschaft diese skandalöse Schweinehaltung zu? Doch nicht allen ist das Schwein gleichgültig: Wie zwei Tierschutzaktivisten zwei Ferkel retteten. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Was ein betrunkener Dialyse-Patient in Staffel 2 der berühmten, in der Notaufnahme eines Chicagoer Krankenhauses spielenden Serie „Emergency Room“ formuliert, ist ein klassischer zynischer Vergleich von Menschen und Schweinen: „The more I see of people, the more I like pigs.
Die Einzelheiten
“ Je mehr ich von den Menschen weiß, desto lieber mag ich Schweine. Menschen lösen Schweine ab auf der untersten Sympathiestufe. In anderen Negativ-Rankings teilen sie sich den untersten Platz noch, wie „Männer sind Schweine“ von den Ärzten.
Im Unterschied zu Menschen, deren gelegentliches lügnerisches und betrügerisches, hinterhältiges, armseliges oder verbrecherisches Verhalten zu Skepsis oder Verachtung Anlass geben kann, haben Schweine gar nichts verbrochen. Es sind empathiefähige Tiere, die in Versuchen anderen, hilfebedürftigen Ferkeln beispringen und die im berühmten Spiegelversuch erkennen, dass sie sich selbst sehen und kein anderes Schwein. Sie lieben es, sich in Pfützen zu suhlen, und spielen im Schlamm.
Sie sind auch nicht ohne Grund gerne dreckig. Die Dreckschichten an ihnen bieten ihrer hellen, lichtempfindlichen Haut Sonnenschutz. Auf Nahrungssuche rüsseln sie über den Boden, sie quieken und grunzen: Laute, die zu interpretieren gar nicht so schwer ist.
Was Experten sagen
Gerettet: Ferkel, die aus einem Mastbetrieb geholt wurdenAlice BaldwinZwar haben sie als ausgewachsene Tiere keine Taille, keinen Hals, keine eleganten Bewegungen und keine schöne Stimme – sie sind nicht das, was Biologen eine „sexy species“ nennen im Hinblick auf ihre Wahrnehmung durch unwissenschaftliche Beobachter. Dass sie aber so verspielt und witzig sind wie Hunde und diese im Hinblick auf Intelligenz hinter sich lassen können, dass sie, wenn man sie rauslässt aus dem Stall und ihnen entsprechend viel Platz bietet, diesen nach Liege-, Fress- und Kot-Bereichen trennen und sich Nester bauen, zeigt, wie verkannt sie sind. Sie lieben es, im Schatten zu chillenWer Schweine hat, weiß, wie sie es lieben, im Schatten zu chillen, und dass sie morgens gerne ausschlafen, wenn der Rhythmus ihrer Umgebung so ist.
Schweine sind Allesfresser und nutzen ihr Grabewerkzeug in Experimenten sogar zum Öffnen von Kisten, um an Futter zu gelangen. In Gewässern vor südlichen Inseln schwimmen sie zu Urlauberbooten und fordern die Touristen dazu auf, ihnen Früchte zu geben. Anna Schubert und Hendrik Haßel beobachten seit Jahren Schweine, die so gehalten werden, dass sie nichts von alledem anwenden können.
Das Thema zählt nun zu den wichtigsten Punkten der globalen Agenda.




