
Paul Virilios Bunkerfotos: 15.000 Grabmäler am Meeresstrand
Paul Virilios Bunkerfotos : 15.000 Grabmäler am Meeresstrand Von Tal Sterngast 18.05.2026, 20:39Lesezeit: 4 Min. Anstoß für eine Architektur, die sich nicht am menschlichen Maß orientierte: auf die plastischen...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Paul Virilios Bunkerfotos : 15. 000 Grabmäler am Meeresstrand Von Tal Sterngast 18. 2026, 20:39Lesezeit: 4 Min.
Anstoß für eine Architektur, die sich nicht am menschlichen Maß orientierte: auf die plastischen Möglichkeiten des Paul Virilios Fotografie eines deutschen Bunkers an der französischen AtlantikküsteSophie VirilioPaul Virilio entdeckte als Jugendlicher die deutschen Bunker am Atlantik – und entwickelte daraus eine Architekturtheorie jenseits menschlicher Maße. Die Betonmonolithen verkündeten für ihn eine Epoche der Selbstblindheit. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Der französische Stadtplaner, Architekt und Philosoph Paul Virilio (1932 bis 2018) meinte in den Neunzigerjahren eine postpolitische Gesellschaft diagnostizieren zu können, in welcher Krieg nicht mehr die Fortsetzung der Politik (Clausewitz), sondern vielmehr ein religiöser oder terroristischer Krieg sei: ein Krieg ohne Feinde, ohne Staaten und manchmal sogar ohne jemanden, der die Verantwortung dafür übernimmt.
Die Einzelheiten
Die Golfkriege sah er als Wendepunkt vom industriellen zum informationellen Krieg. Der Krieg war für Virilio „Vater“, „Mutter“ und „Universität“. Als Sohn einer französischen katholischen Schneiderin und eines italienischen kommunistischen Flüchtlings wuchs er in der Hafenstadt Nantes auf, die 1940 von den Deutschen besetzt und zwei Jahre später durch Bomben der Alliierten zerstört wurde.
Der Elfjährige begann, in einem Notizbuch über „Krieg und Stadt“ zu schreiben. „Ich befand mich in einer philosophischen Situation. Denn diejenigen, die uns befreiten, töteten uns, und diejenigen, die uns besetzten, lebten mit uns“, sagte er einmal.
Die Entdeckung der deutschen BunkerNach dem Krieg war die Entdeckung der nun zugänglichen Strände für den jungen Virilio zugleich die Entdeckung der Bunker des deutschen „Atlantikwalls“. In Umkehrung des berühmten situationistischen Slogans „Sous les pavés, la plage“ wandte Virilio dem Meer den Rücken zu. Er näherte sich den Resten des deutschen Walls wie ein Archäologe, reiste entlang der Küste, machte Notizen, Zeichnungen und Fotos, „um die totalitäre Dimension des Krieges zu begreifen“.
Was Experten sagen
Ohne die Bunker, sagte er, wäre er kein Stadtplaner oder Architekt geworden. Paul Virilio: „Bunker Archéologie“Spector BooksUrsprünglich 1958 als sehr kurzer Text verfasst, war „Bunker Archéologie“ ein persönlicher, sachlich-poetischer Bericht, der erst 1966 in der Zeitschrift „Architecture Principe“ veröffentlicht wurde. Virilio beschrieb die verwitterten Betonbunker als Monolithen, die unwillkürlich an aztekische Tempel, die Mastaba, die etruskischen Nekropolen oder die Pyramiden denken ließen.
Als Beispiele für die Selbstblindheit einer Epoche verkündeten sie für Virilio eine neue Art von Architektur, die nicht mehr auf den physischen Dimensionen des Menschen basiert. Im Jahr 1975 wurde vom Centre Pompidou im Rahmen einer Ausstellung eine umfangreiche Ausgabe von „Bunker Archäologie“ veröffentlicht.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





