
Schmidts Rücktritt: Auf dem Balkan sind Europäer und Amerikaner Rivalen
Schmidts Rücktritt : Auf dem Balkan sind Europäer und Amerikaner Rivalen Ein Kommentar von Michael Martens, Sarajevo 16.05.2026, 09:34Lesezeit: 3 Min. Der Hohe Repräsentant in Bosnien-Hercegovina, Christian Schmidt, am...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Schmidts Rücktritt : Auf dem Balkan sind Europäer und Amerikaner Rivalen Ein Kommentar von Michael Martens, Sarajevo 16. 2026, 09:34Lesezeit: 3 Min. Der Hohe Repräsentant in Bosnien-Hercegovina, Christian Schmidt, am 4.
März in SarajevoFPDie USA versprechen sich vom Rückzug Christian Schmidts mehr Einfluss auf dem Balkan. Doch sie stürzen einen Machtlosen. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Der von den USA erzwungene Rückzug Christian Schmidts als Hoher Repräsentant der Staatengemeinschaft in Bosnien-Hercegovina ist mehr als eine Personalie in einem kleinen Land an der Peripherie der europäischen Wahrnehmung.
Die Einzelheiten
Der Fall zeigt, dass Europäer und Amerikaner auch auf dem Balkan inzwischen keine Partner mehr sind, sondern geopolitische Rivalen. Milorad Dodik, der mächtigste Politiker der bosnischen Serben und Putins loyalster Verbündeter in Europa, hat diese neue Rivalität bisher klug für sich zu nutzen gewusst. Nachdem er 1996 eine Partei gegründet hatte, genoss er anfangs noch die explizite Unterstützung der EU und der USA, vor allem von der damaligen Außenministerin Madeleine Albright.
Was heute unglaublich klingt, wirkte damals folgerichtig: Dodik hatte sich gegen die Seilschaften des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Radovan Karadžić gestellt, gab sich prowestlich und bezeichnete den serbischen Völkermord an den Muslimen von Srebrenica just so: als Völkermord. Die USA wollen die EU zerstören. Das zeigt sich auch am BalkanDas ist lange her.
Heute ist Dodik die führende Kraft des Separatismus in Bosnien. Er droht immer wieder, „seinen“ Landesteil, die bosnische Serbenrepublik, vom Rest des Landes abzuspalten. Das ist seit etwa zwanzig Jahren so.
Was Experten sagen
Der Unterschied zu früher besteht darin, dass er inzwischen mit stillschweigender amerikanischer Duldung, wenn nicht gar Unterstützung der USA auftritt, was aus Sicht der derzeitigen Machthaber in Washington folgerichtig ist. Sie sehen sich nicht als Partner, sondern als Konkurrenten der EU. Auf dem Balkan legen sie deshalb die Axt an Bosnien – in der Erwartung, dass die Europäer zu schwach und zu uneins sind, um sich dem entgegenzustellen.
Käme es so, könnte es wieder gefährlich werden am Balkan. Ein Fünftel der Bevölkerung der Serbenrepublik sind keine Serben. Die größte Minderheit bilden bosnische Muslime, die in Bosnien insgesamt die absolute Mehrheit stellen.
Sie werden nicht tatenlos zusehen, sollte Dodik versuchen, ihr Land zu zerstören. Käme es zu Gewalt, wäre wiederum Serbiens Präsident Vučić unter Zugzwang, den „serbischen Brüdern in Bosnien“ zu helfen. So muss es nicht kommen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





