
Sharon Dodua Otoo: Wenn die Luft zum Atmen fehlt
Sharon Dodua Otoo : Wenn die Luft zum Atmen fehlt Von Fridtjof Küchemann 02.05.2026, 21:00 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Sharon Dodua Otoo Francis Oghuma In ihrem neuen Roman „So, in etwa, ist es...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Sharon Dodua Otoo : Wenn die Luft zum Atmen fehlt Von Fridtjof Küchemann 02. 2026, 21:00 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Sharon Dodua Otoo Francis Oghuma In ihrem neuen Roman „So, in etwa, ist es geschehen“ lässt Sharon Dodua Otoo einen vermeintlichen Wohltäter sterben – durch die Hand einer Kollegin.
Über eine Provokation und ihre Autorin. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Manchmal, dichtet die Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo, „lastet die Frage nach dem Erinnern / wie ein Haufen Bügelwäsche in der Ecke“. Was das Erinnern so gefährlich macht, dass sie sogar fürchten muss, sich dabei zu verbrennen, sei ihr „Kontakt mit kultivierten Menschen, / belesenen Menschen, / gut situierten Menschen“, die „keine Bedenken zeigen – kein Zögern, wirklich keine Scham – / im höflichen Gespräch – mit mir – rassistische Worte zu verwenden“.
Die Einzelheiten
Im Dezember 2022 hat Sharon Dodua Otoo diese Zeilen zu einer Straßenumbenennung in Berlins Afrikanischem Viertel geschrieben. Jetzt ist im Verlag S. Fischer der zweite Roman der Schriftstellerin aus Berlin erschienen, die 1972 als Tochter von Einwanderern aus Ghana in London geboren wurde, vor zehn Jahren mit ihrer erst zweiten in deutscher Sprache verfassten Erzählung beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt auftrat und gleich mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde.
„So, in etwa, ist es geschehen“ ist ein Buch über Fragen des Erinnerns und über das schwierige Auskommen mit kultivierten Menschen ohne Zögern und ohne Scham. Und es ist eine Provokation: In dem Roman ermordet eine Frau ohne Reue einen Mann, der ihr nichts getan hat, eine Afrodeutsche den Projektleiter des Wohltätigkeitsvereins „Essen für Afrika“, eine Mitarbeiterin ihren Chef. Sharon Dodua Otoo beginnt ihre Erzählung mit dem stolzen Geständnis ihrer Heldin Amata Haller, dann gibt sie ihr Raum für ihre Erzählung und Rechtfertigung.
Und doch schafft Otoo es, weder die Tat zu entschuldigen noch die Täterin als Monster darzustellen. Auch Amatas Opfer, ihr Chef Heinz Brockhaus, ist kein Unmensch. „Er ist auf jeden Fall ein Guter“, sagt die Autorin im Gespräch über ihren Roman, das in voller Länge im Bücher-Podcast der F.
April zu hören ist: „Er wäre selbst erschüttert, würde er mal aufhören zu reden und zuhören. “ „Ich habe ihm einfach zugehört“ Heinz Brockhaus hat seiner Mitarbeiterin Amata aufgedrängt, sie mit dem Auto von Berlin nach Timmendorfer Strand zu bringen. Dort will sie ihre Mutter wie jedes Jahr zum gemeinsamen Gedenken an ihren Großvater treffen – nicht an dessen Geburts- oder Todestag, sondern an dem Tag, an dem er in der Lübecker Bucht als einer von wenigen eines der schrecklichen Ereignisse in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs überlebt hatte: den irrtümlichen Angriff britischer Bomber auf die Cap Arcona, ein Schiff, in dem Tausende Häftlinge, vor allem aus dem KZ Neuengamme, zusammengepfercht waren.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





