
Tante Enso: Der Dorfladen, der niemals schließt
Tante Enso : Der Dorfladen, der niemals schließt Von Petra Kirchhoff 07.05.2026, 11:59Lesezeit: 5 Min. Vorher Edeka, jetzt Tante Enso: Der Supermarkt in der Dorfmitte von Balhorn, einem Ortsteil von Bad Emstal in...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Tante Enso : Der Dorfladen, der niemals schließt Von Petra Kirchhoff 07. 2026, 11:59Lesezeit: 5 Min. Vorher Edeka, jetzt Tante Enso: Der Supermarkt in der Dorfmitte von Balhorn, einem Ortsteil von Bad Emstal in NordhessenPetra KirchhoffBei Tante Enso in Nordhessen können Kunden seit einem Jahr rund um die Uhr einkaufen.
Kartoffeln und Eierlikör liefert der Landwirt um die Ecke. Der Dorfschnack kommt auch nicht zu kurz. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Die „Hauptstraße“ mutet an wie ein besserer Wirtschaftsweg.
Die Einzelheiten
Kurz sind wir beim Abzweigen verunsichert: Dürfen hier überhaupt Autos fahren? Das Navi hat allerdings genau die Route gewählt, um von Kassel aus über hügeliges Gelände das Dorf Balhorn anzusteuern, den ältesten Ortsteil der Kur-Kleinstadt Bad Emstal im Landkreis Kassel. Und dann sieht man auch schon die Ortschaft im Tal liegen, eingebettet in die Ausläufer des Naturparks Habichtswald.
Mittendrin: die Evangelische Kirche mit ihrer barocken Turmhaube. Wir fahren geradewegs in die Dorfmitte, wo an einer markanten Kurve der Dorfmittelpunkt und der Grund für unsere Reise Anfang April liegt: der Supermarkt Tante Enso. Er ist einer von bisher drei automatisierten Lebensmittelmärkten des Bremer IT-Start-ups Enso eCommerce GmbH in Hessen und hat, wie alle weiteren rund 90 Ensos in Deutschland, an sieben Tagen rund um die Uhr geöffnet.
Das Besondere: Mehrere Stunden am Tag sind die Märkte mit Personal besetzt. Dann kommen Kunden auch ohne Enso-Karte herein, können mit Bargeld an der Kasse bezahlen und auch mal ein Wort mit der Kassiererin wechseln – diese soziale Komponente ist den Betreibern aus Bremen wichtig. 600 Teilhaber und ein gutes GemeinschaftsgefühlTante Enso in Balhorn ist im Erdgeschoss einer versetzten Doppelhaushälfte mit Klinkersockel untergebracht – ein Haus vermutlich aus den Siebzigern, zweckmäßig eingerichtet und größer als erwartet, mit einem großzügigen Parkplatz davor.
Was Experten sagen
40 Jahre, bis Anfang 2025, war an der Stelle ein Edeka-Markt. Die Kaufleute hätten das viele Jahre gemacht, für eine neue Generation jedoch keine Zukunft mehr gesehen, erzählt Florian Degenhardt, der für die „Balhorner Liste“ im Ortsbeirat sitzt und zu den Bewohnern gehört, die gern „selbst mit anpacken“. Noch bevor überhaupt publik wurde, dass Edeka schließt, wurde der Ortsbeirat aktiv.
„Uns war klar, wir müssen einen Ersatz finden“, sagt Degenhardt. Eierlikör und Nudeln liefert Landwirt Bott aus der Region. Petra KirchhoffDie nächsten Einkaufsmöglichkeiten sind gute fünf Kilometer von Balhorn entfernt, in Sand, dem Hauptort von Bad Emstal.
Also bewarb sich der Ortsbeirat bei Enso für das Dorfladen-Konzept und trommelte für den Kauf von Mitgliedschaften. Tante Enso kommt erst dann an einen Ort, wenn sich eine festgelegte Anzahl an Bürgern als Teilhaber registriert und einen Mindestanteil von je 100 Euro gezeichnet hat. In Balhorn waren es vom Stand weg 600, sagt Degenhardt, mehr als genug.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





