
Weltexport Thomas Bernhard: „Verdächtiger als alle Provinzdrecksblätter“
Weltexport Thomas Bernhard : „Verdächtiger als alle Provinzdrecksblätter“ Von Hannes Hintermeier 04.05.2026, 11:18 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Ganz lieb: Thomas Bernhard 1938 in Seekirchen am Wallersee...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Weltexport Thomas Bernhard : „Verdächtiger als alle Provinzdrecksblätter“ Von Hannes Hintermeier 04. 2026, 11:18 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Ganz lieb: Thomas Bernhard 1938 in Seekirchen am Wallersee 1935-37, wo er einige Jahre mit den Großeltern lebte.
Österreichische Nationalbibliothek Erste Einblicke in den umfangreichen Nachlass: Das Wiener Literaturmuseum geht der Frage nach, was Thomas Bernhard uns heute zu sagen hätte. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App „Zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung stehe ich wie zu allen Zeitungen, das heißt in einer Mischung aus Ekel und Abhängigkeit, weil sie mit ihrer vornehmen, hochmütigen Satzmusik so tut, als wäre sie Geist, während sie doch, wie alle Blätter, nur Sensation und Machtbetrieb ist, nur dass sie das Niederträchtige besser parfümiert. “ So antwortet der Thomas-Bernhard-Chatbot, der mit Texten des österreichischen Schriftstellers programmiert wurde, in der dritten von vier möglichen Antwort-Härtegraden („stark“), und beendet die Hinrichtung mit den Worten: „Und gerade diese Parfümierung, diese scheinbare Unangreifbarkeit, macht sie mir verdächtiger als Provinzdrecksblätter, weil sie verlogener und dadurch, wie immer, wahrer ist.
Die Einzelheiten
“ Er ist also wieder da, wenn auch als Digitalnachbau und als Kundenfang, denn die Ausstellung im Wiener Literaturmuseum, einer Zweigstelle der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB), setzt aufs breite Publikum, möchte „einen Bernhard für alle“, so jedenfalls der Leiter des Hauses, der Germanist Bernhard Fetz. Einen Kalenderanlass gibt es nicht, 37 Jahre nach seinem Tod ist Bernhard indes ein Weltexportschlager, so groß, dass er alle inländische Konkurrenz um Lichtjahre überragt. Die Universität Wien betreibt sogar einen eigenen Sonderforschungsbereich namens „GlobalBernhard“, die für ihn zuständige Komparatistin Juliane Werner hat an der Ausstellung mitgearbeitet.
Thomas Bernhards Notizbuch "Oleander" mit einem Zitat Gandhis auf der Innenseite. Österreiche Nationalbibliothek Vor vier Jahren hat die ÖNB mit kräftiger Unterstützung des Kultusministeriums für 2,1 Millionen Euro den Nachlass Bernhards erworben, nun gewährt sie Einblicke in diese Schatztruhe. Man wolle mit der Schau herausfinden, so Fetz und seine Ko-Kuratorin Katharina Manojlovic, „was uns Bernhard heute sagt“.
Als Aufwärmübung lockt ein Städtequiz mit den schlimmsten Beschimpfungen („Welches ist das charakterloseste Land Europas? “ – Spoiler: die Schweiz), eine Bernhard-Playlist und eine Magnetwand zum Zusammenstellen von Bernhard-Komposita. Niederschwellig ebenso ein Raum mit Porträts, die Erika Schmied aufgenommen hat, die den privaten Bernhard zeigen, darin ein vom Schriftsteller entworfener Ohrensessel, der so unbequem ist, dass ihn Bernhard der Fotografin schenkte.
Die Ausstellung, wie üblich in den historischen Bücherregalen verstaut, ist dann aber durchaus dazu angetan, auch Kenner des Werkes und Philologen zu verzücken.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





