
Zentralrat der Juden: Das Gefühl, von der Gesellschaft im Stich gelassen zu werden
Zentralrat der Juden : Das Gefühl, von der Gesellschaft im Stich gelassen zu werden Von Heike Schmoll, Berlin 01.05.2026, 07:12 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Josef Schuster bei der Einweihung des Kultus-...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Zentralrat der Juden : Das Gefühl, von der Gesellschaft im Stich gelassen zu werden Von Heike Schmoll, Berlin 01. 2026, 07:12 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Josef Schuster bei der Einweihung des Kultus- und Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth dpa Juden machen sich in der Öffentlichkeit zunehmend unsichtbar, weil sie Angriffe fürchten.
Jüdische Gemeinden berichten von vermehrten Anfeindungen – und schwindender Solidarität. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Seit dem 7. Oktober 2023 sehen sich die Jüdischen Gemeinden Deutschlands in einem Dauerkrisenzustand.
Die Einzelheiten
68 Prozent nehmen die Situation als deutlich unsicherer wahr und schätzen die Zukunftsperspektiven pessimistisch ein. Das gilt weniger für die eigene Stadt als für Deutschland und vor allem Europa. Verschärft wird dieses Empfinden zusätzlich durch den Irankrieg.
Das geht aus einer Befragung der Führungskräfte in 102 Jüdischen Gemeinden hervor, die Teil eines kontinuierlichen Monitorings des Zentralrats der Juden in Deutschland ist. Inzwischen führten nicht einmal Graffitis, die mitten in Berlin zum Mord an Juden aufrufen, zu einem Sturm der Entrüstung. „Diese Zustände sind unhaltbar“, sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster , in Berlin bei der Veröffentlichung der Befragungsergebnisse.
Die Anpassung der Jüdischen Gemeinden und ihrer Mitglieder führe zu einer Verdrängung jüdischen Lebens aus dem öffentlichen Raum. „Jüdische Symbole werden versteckt und die eigene Identität verheimlicht, gerade bei Kindern und Jugendlichen“, beklagte Schuster. Irankrieg sei „neuer Vorwand für ausufernden Antisemitismus“ Zugleich haben die antisemitischen Vorfälle gegen Gemeinden in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen.
Was Experten sagen
Waren im Jahr 2023 laut Lagebild noch 32 Prozent der Gemeinden betroffen, waren es 2026 schon 46 Prozent. In mehr als der Hälfte der Fälle handelte es sich um antisemitische Beleidigungen oder verhetzendes Verhalten, um Anfeindungen oder Hasskommentare in sozialen Medien, um Drohanrufe oder antisemitische Zuschriften. In 49 Prozent der Fälle wurden Sachbeschädigungen verübt oder jüdische Gebäude beschmiert, häufig wurden Proteste oder Demonstrationen bewusst in der Nähe der Gemeinden geplant.
„Die Lage der Jüdischen Gemeinden hat sich nach dem Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas nicht entspannt“, stellt Schuster fest. Darin sieht er einen Beleg dafür, dass der Krieg im Nahen Osten immer nur ein Vorwand, niemals aber ein Grund für antisemitische Übergriffe und Hetze in Deutschland war. „Der Krieg Israels gegen das Mullah-Regime ist ein neuer solcher Vorwand für ausufernden Antisemitismus“, so Schuster.
Von der Zivilgesellschaft im Stich gelassen Besonders beunruhigt ist der Zentralrat darüber, dass der Antisemitismus zunehmend zur Normalität zu werden droht und die Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft schwindet.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





