
Albrecht Koschorke über die Krise des Liberalismus: »Der Gestus der Reform hat sich verbraucht«
Forscher zur Krise der liberalen Demokratie Warum ist uns der Glaube an eine bessere Zukunft abhandengekommen? Die liberale Gesellschaft wurde erst durch einen euphorischen Geist möglich, sagt der Wissenschaftler...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Forscher zur Krise der liberalen Demokratie Warum ist uns der Glaube an eine bessere Zukunft abhandengekommen? Die liberale Gesellschaft wurde erst durch einen euphorischen Geist möglich, sagt der Wissenschaftler Albrecht Koschorke. Die Vorstellung, dass der Staat eine bessere Zukunft garantieren könnte, sei nicht mehr glaubhaft.
Ein SPIEGEL-Gespräch von Andreas Bernard und Tobias Rapp 17. 56 Uhr aus DER SPIEGEL 21/2026 Zur Merkliste hinzufügen X. com Facebook E-Mail Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen X.
Die Einzelheiten
com Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren Bild vergrößern Installation zum 175. Geburtstag der Märzrevolution von 1848 in Berlin: »Die Endzeit-Erzählung ist in den Händen der Feinde der Demokratie besser aufgehoben« Foto: Joerg Carstensen / picture alliance Sie können den Artikel leider nicht mehr aufrufen. Der Link, der Ihnen geschickt wurde, ist entweder älter als 30 Tage oder der Artikel wurde bereits 10 Mal geöffnet.
Dass der Literaturwissenschaftler Koschorke, 67, vorschlägt, sich für ein Gespräch über sein neues Buch in Zürich zu treffen, hat eine besondere Bedeutung: »Souveränität der Vernunft« handelt von der Geburt des Liberalismus, und tatsächlich gelang 1848 in der Schweiz nicht nur, was im benachbarten Deutschland scheiterte: einen Staat aus dem Geist des liberalen Denkens zu begründen. Aber auch ein anderer Strang des Liberalismus zeigt sich in Zürich an jeder Straßenecke: die Feier von Besitz und Geld. Koschorke lebt nicht weit entfernt in Konstanz.
Er ist einer der profiliertesten Germanisten Deutschlands. Literaturwissenschaftler Koschorke: »Wenn alle Menschen gleich sind – wo liegt dann die Souveränität? « Foto: Universität Konstanz SPIEGEL: Herr Koschorke, die Bundesregierung versucht sich gerade an einem »Frühling der Reformen«.
Was Experten sagen
Wer ein System reformieren will, muss Menschen auf die Füße treten. Das geht nur, wenn man ihnen vermitteln kann, dass der aktuelle Verzicht sich langfristig lohnt. Warum scheint das heute so schwer?
Koschorke: Die allgemeine Antwort wäre, dass der Gestus der Reform sich doch erheblich verbraucht hat. Das war mal anders, er hatte lange enormen mentalitätsgeschichtlichen Rückenwind. Der Begriff der »Reform« war in großen Teilen der Bevölkerung positiv konnotiert.
Das scheint vorbei zu sein. Die konkrete Antwort wäre, dass die politischen Handlungsspielräume kleiner geworden sind. Die Vorstellung, dass der Staat eine bessere Zukunft garantieren könnte, ist nicht mehr glaubhaft und wird deshalb auch gar nicht mehr in Anschlag gebracht.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





