
Hirtenbrief in Polen: Verrät die Bischofskonferenz das Christentum?
Hirtenbrief in Polen : Verrät die Bischofskonferenz das Christentum? Von Stefan Locke, Warschau 16.05.2026, 16:13Lesezeit: 4 Min. Papst Johannes Paul II. 1986 in Rom in der SynagogeImagoPolnische Bischöfe verurteilen...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Hirtenbrief in Polen : Verrät die Bischofskonferenz das Christentum? Von Stefan Locke, Warschau 16. 2026, 16:13Lesezeit: 4 Min.
Papst Johannes Paul II. 1986 in Rom in der SynagogeImagoPolnische Bischöfe verurteilen Antisemitismus und rufen zum Besuch von Synagogen auf. Sie ernten eine Protestwelle.
Die Einzelheiten
Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Ein Hirtenbrief der Polnischen Bischofskonferenz hat zu großem Protest innerhalb Polens katholischer Kirche und zum Teil auch in der Politik geführt. Mehrere Priester lehnten es ab, den Brief in ihren Gemeinden zu verlesen. Politisch rechtskonservative Kreise griffen die Initiatoren scharf an und warfen ihnen Verrat am Christentum vor.
Tatsächlich knüpfen die Autoren des Briefs an den historischen Besuch von Papst Johannes Paul II. bei Oberrabbiner Elio Toaff in der Großen Synagoge von Rom im April vor 40 Jahren an. Es war das erste Mal überhaupt, dass ein Kirchenoberhaupt eine Synagoge besuchte, und gilt als Meilenstein für die heutigen christlich-jüdischen Beziehungen.
Darauf Bezug nehmend, verurteilte die Bischofskonferenz in ihrem Brief Antisemitismus als unvereinbar mit dem christlichen Glauben und lud zum Besuch in Synagogen ein, um sich „mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern“ zu treffen, sich gegenseitig kennenzulernen und zu verstehen. Keine Pflicht, den Brief zu verlesenIn Warschau, Krakau und Lublin folgten die Bischöfe dem Aufruf. In der Warschauer Nożyk-Synagoge warnte Erzbischof Adrian Galbas vor religiös begründeter Feindschaft zwischen Juden und Christen.
Was Experten sagen
In Krakau würdigte Kardinal Grzegorz Ryś den historischen Besuch Johannes Pauls II. in der Synagoge in Rom als bedeutsam für die gemeinsamen Beziehungen. Zugleich weigerten sich Priester in ganz Polen, den Brief zu verlesen, wobei die Bischofskonferenz betont, dass dazu keine Verpflichtung bestand.
Der für seine radikalen Positionen bekannte Priester und Professor an der Päpstlichen Universität Krakau, Dariusz Oko, warf den Bischöfen vor, mit ihrem Brief Jesus Christus zu verraten sowie die Katholiken zu demütigen. In der rechtskonservativen Wochenzeitung „Do Rzeczy“ schrieb er belegfrei, dass mehr als 90 Prozent der Priester den Brief verurteilten und die Mehrzahl der Katholiken „sich von ihren eigenen Hirten verraten“ fühle. Rechtsextreme Politiker nutzen die GelegenheitAuch in rechtskonservativen Kreisen der Politik, die Kirche und Nation gern als Einheit propagieren, regte sich Widerstand.
Der Sejm-Abgeordnete Krzysztof Bosak, Ko-Vorsitzender der libertär-rechtsextremen Partei Konfederacja, warf den Autoren „Ketzerei“, „Irrtum“ und eine „Judaisierung“ der katholischen Botschaft vor. Paweł Lisicki, als „Vordenker“ der polnischen Nationalkonservativen bezeichnet, erklärte, der Aufruf sei ein „Akt der Apostasie“, da ein gemeinsames Beten in einer Synagoge nicht mit dem katholischen Glauben vereinbar sei. Und die Zeitschrift „Katholische Pädagogik“ bezeichnete den Brief als „historische Schande“.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





