
Karl Mannheim: Wehrhafte Demokratie bedeutet mehr als nur Parteiverbote
Karl Mannheim : Wehrhafte Demokratie bedeutet mehr als nur Parteiverbote Ein Kommentar von Alexander Gallus08.05.2026, 15:52Lesezeit: 3 Min. Im Visier der Verbotsdebatte: Alice Weidel und Tino ChrupallaAFPParteiverbote...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Karl Mannheim : Wehrhafte Demokratie bedeutet mehr als nur Parteiverbote Ein Kommentar von Alexander Gallus08. 2026, 15:52Lesezeit: 3 Min. Im Visier der Verbotsdebatte: Alice Weidel und Tino ChrupallaAFPParteiverbote gelten als schärfstes Schwert gegen Extremismus.
Doch ein Blick auf die Ursprünge der „militant democracy“ zeigt: Wehrhaftigkeit entsteht nicht nur durch Repression, sondern durch Bildung und Bürgermut. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Die Geschichte der streitbaren Demokratie ist eine Geschichte ihrer Legenden. Die erste davon suggeriert, die Idee sei als Resultat der deutschen Erfahrung mit Demokratieversagen und Diktatur eine reine Neuschöpfung nach 1945 gewesen.
Die Einzelheiten
Streitbare Demokratie wird in dieser Sicht zum Inbegriff einer erfolgreichen Geschichtslehre stilisiert. Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit, Demokratie nur für Demokraten: So ähnlich laute die Lektion aus Weimar, als die Republik den Nationalsozialisten ein legales Entree an die Macht gewährt habe. Die zweite Legende führt die Idee weiter zurück und verknüpft sie eng mit dem Namen des in die USA emigrierten Staatsrechtslehrers Karl Loewenstein, dessen Aufsatz „Militant Democracy and Fundamental Rights“ (1937) häufig als Ursprung zitiert wird.
Wer ihn zum alleinigen Begründer der Idee avancieren lässt, verkennt indes, in wie vielfältiger Weise unabhängig voneinander der Grundgedanke einer abwehr- und kampfbereiten Demokratie während der Zwischenkriegszeit entstand und bald als unstrittiges Erfordernis galt. Weimar dient auch der LegendenbildungLoewensteins Kampfansage, Feuer sei mit Feuer zu bekämpfen, leitet zu einer dritten Legende über, welche die streitbare Demokratie auf ein repressives Instrumentarium reduziert. Die Möglichkeit eines Parteiverbots ist gleichsam der Inbegriff und das schärfste Schwert einer Wehrhaftigkeit, wie sie im Grundgesetz festgeschrieben werden sollte.
Dabei wird dieser Mechanismus als Heilmittel einer unter Druck geratenen Demokratie überschätzt. Wer darin ferner die entscheidende Differenz gegenüber Weimar erkennt, zeichnet ein Zerrbild der wehrlosen ersten Republik, will nicht viel von Republikschutzgesetzen und wiederholt praktizierten Parteiverboten wissen, die die autoritäre Wende nicht verhindern konnten. Vor dem Hintergrund dieser Legendenbildung lohnt es sich, an die Überlegungen des Soziologen Karl Mannheim zu erinnern, der Deutschland 1933 verlassen musste und darauf in London lehrte.
Von Oliver Neun herausgegeben und kundig eingeleitet liegen seine Texte aus den Weltkriegsjahren zur „militant democracy“ erstmals gebündelt vor („Militante Demokratie“. Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2026). Anders als Loewenstein nahm Mannheim keine juristische Perspektive ein und erachtete die Verteidigung der Demokratie als gesellschaftliche und erzieherische Aufgabe.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





