
Kolumne „Lost and Found“: Flieder und Asche – Kiew im fünften Kriegsfrühling
Kolumne „Lost and Found“ : Flieder und Asche – Kiew im fünften Kriegsfrühling Von Katja Petrowskaja 16.05.2026, 23:36Lesezeit: 4 Min. Die magische Zeit zwischen April und Mai: Kiew ist berühmt für seinen FliederKatja...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Kolumne „Lost and Found“ : Flieder und Asche – Kiew im fünften Kriegsfrühling Von Katja Petrowskaja 16. 2026, 23:36Lesezeit: 4 Min. Die magische Zeit zwischen April und Mai: Kiew ist berühmt für seinen FliederKatja PetrowskajaKiew versinkt in Blüten von Flieder und Kastanien.
Der Krieg ist endlos, und die Natur scheint das Einzige zu sein, was überhaupt noch siegen kann. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Jede Stadt hat eine magische Zeit. Kiew hat sie zwischen dem Tschernobyl-Tag am 26.
Die Einzelheiten
April und dem Befreiungstag am 8. In dieser Zeit fängt alles zu blühen an, Zehntausende strömen in Parks, fotografieren, posieren, riechen an den Bäumen und Büschen. Mai, mit dem niemand richtig weiß, was man tun soll: Meine ganze Kindheit und noch viel länger wurde er als „Tag des Sieges“ zelebriert.
Nun wird das Gedenken von Russland mit beinahe satanistischen Zügen zur Befürwortung des Krieges benutzt. Damit wird nicht nur unsere Trauer und Andacht missbraucht, sondern auch alle Opfer und Toten jenes Krieges. Diese schöne, schmerzhafte Zeitstrecke wird in ihrer Polarität im fünften Kriegsfrühling noch verschärfter wahrgenommen.
Die Stadt versinkt in Blüten von Flieder und Kastanien, der Krieg ist endlos, und die Natur scheint das Einzige zu sein, was überhaupt noch siegen kann. Ein „Requiem“ für die OpferEnde April war noch zu merken, wie müde die Menschen sind – nach diesem harten Winter mit Extremtemperaturen und zerbombter Energieversorgung. Ich weiß nicht, woher die Menschen hier ihre Kraft nehmen.
Was Experten sagen
Es ist fast zum Ritual geworden, über die Ukrainer zu staunen, über ihre Tapferkeit, Ausdauer, Courage. „Unbeugsamkeit“ ist ein Begriff, dem man überall begegnet: So heißen die Zentren für Prothetik und Punkte, an denen man Geräte aufladen und sich wärmen kann. Ich weiß auch nicht, ob den Menschen noch weitere Prüfungen zumutbar sind, sowohl in den Städten als auch an der Front.
Aber wo ist eine faire Lösung? April wurde das „Requiem“ von Mozart in Kiew im Opernhaus gespielt, um der Opfer von Tschernobyl am 40. Jahrestag zu gedenken, ich schaute auf die Menschen im Saal und auf der Bühne, auf ihre ernsten Gesichter.
Ich dachte an ihre mir unbekannten Schicksale und konnte nicht sagen, ob sie gut spielten, so überwältigend war dieses Zusammensein, als hätten die Musiker alle Opfer und sich selbst geehrt. Für wen schlägt die Stunde? Ich habe mich gefreut, Freunde zu sehen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





