
NSDAP-Mitgliederkartei: Jeder hätte wissen können, ob sein Vater Nazi war
NSDAP-Mitgliederkartei : Jeder hätte wissen können, ob sein Vater Nazi war Ein Kommentar von Thomas Jansen 27.06.2026, 19:20Lesezeit: 3 Min. Datenblatt eines NSDAP-Mitgliedes aus der MitgliederkarteiMarcus KaufholdDie...
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Hier sind die aktuellen Nachrichten aus aller Welt: NSDAP-Mitgliederkartei : Jeder hätte wissen können, ob sein Vater Nazi war Ein Kommentar von Thomas Jansen 27. 2026, 19:20Lesezeit: 3 Min. Datenblatt eines NSDAP-Mitgliedes aus der MitgliederkarteiMarcus KaufholdDie Amerikaner haben die NSDAP-Mitgliederkartei ins Internet gestellt.
Der Andrang ist groß. Was sagt das über den Stand der Vergangenheitsbewältigung? Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Die herkömmliche Fortschrittsgeschichte der Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik hält keine Erklärung für dieses Phänomen bereit: Das große Interesse an der Mitgliederkartei der NSDAP, die seit März online frei zugänglich ist, dürfte es nach dieser oft holzschnittartigen Lesart eigentlich gar nicht mehr geben.
Die Einzelheiten
Schließlich gehört die Frage nach einer braunen Vergangenheit der Vätergeneration demnach schon seit 1968 zum erinnerungspolitischen Inventar der Bundesrepublik – und sollte längst beantwortet sein. Heute sind die Achtundsechziger im Ruhestand, die Generation, die den Nationalsozialismus noch im Erwachsenenalter erlebte, ist nahezu ausgestorben. Dennoch herrscht in Familien offenbar Unklarheit darüber, wie der Vater, Großvater oder Urgroßvater – Frauen waren eine Minderheit in der NSDAP – es mit der Partei Hitlers hielt.
-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F. bei Google bevorzugen Zwei Zeitrechnungen der VergangenheitsbewältigungUm das in Erfahrung zu bringen, hätte es der NSDAP-Mitgliederkartei im Internet nicht bedurft. Eine Anfrage beim Bundesarchiv hätte genügt, um wenigstens herauszufinden, ob es überhaupt Unterlagen dazu gibt; erhalten sind nur achtzig Prozent der Mitgliedschaftseinträge.
Aber das ist deutlich mühsamer als ein Zugriff über die Internetseite der National Archives in Washington und vor allem über die von „Zeit“ und „Spiegel“ aufbereiteten Versionen der NSDAP-Mitgliederkartei. Der große Nutzerandrang ist deshalb für sich genommen noch kein Anzeichen für ein verstärktes Interesse an der NS-Vergangenheit. Ebenso wenig wie der Umstand, früher keine Anfrage beim Bundesarchiv in Sachen NSDAP-Mitgliedschaft von Angehörigen gestellt zu haben, noch niemanden zum Verfechter einer Schlussstrich-Mentalität macht.
Was Experten sagen
Das Phänomen zeigt jedoch etwas anderes: Auch nach 81 Jahren ist – allen anderslautenden Behauptungen zum Trotz – noch längst nicht alles über die Jahre zwischen 1933 und 1945 gesagt und geschrieben. Das gilt vor allem für die Vergangenheitsbewältigung in den Familien. Die schon vor Jahren geäußerte Sorge, der Nationalsozialismus könnte in naher Zukunft nur noch als ein fernes historisches Ereignis wahrgenommen werden, wie die Reichsgründung 1871, erscheint in diesem Licht vorerst übertrieben.
Es gab schon immer zwei Zeitrechnungen der Vergangenheitsbewältigung. Warum haben die Amerikaner die Mitgliederkartei veröffentlicht? Derzeit weichen sie allerdings besonders offenkundig voneinander ab: Da ist zum einen die historische Forschung.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





