
Politik will handeln: Die Krise in Österreichs Rundfunk ist nicht vorbei
Politik will handeln : Die Krise in Österreichs Rundfunk ist nicht vorbei Von Michaela Seiser, Wien 05.05.2026, 19:48 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Muss aufräumen: ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher....
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Politik will handeln : Die Krise in Österreichs Rundfunk ist nicht vorbei Von Michaela Seiser, Wien 05. 2026, 19:48 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Muss aufräumen: ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher.
dpa Nach der Affäre um Ex-ORF-Chef Weißmann drängt Medienminister Andreas Babler auf Reformen. Es geht um die Aufsichtsgremien, hohe Pensionszusagen und die Frage, wie man Machtmissbrauch verhindert. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Während am Bildschirm die Scheinwerfer auf den Eurovision Song Contest in Wien gerichtet sind, kämpft der ORF hinter den Kulissen mit einer Vertrauens- und Führungskrise, deren Konturen immer schärfer zutage treten.
Die Einzelheiten
Seit dem plötzlichen Abgang des Generaldirektors Roland Weißmann im März hat sich eine Kette von Konflikten geöffnet, die von Machtmissbrauchsvorwürfen über Compliance-Verfahren bis zu Grundsatzfragen der Governance reicht. Darauf reagiert nun die Politik, deren Verbindung zum öffentlich rechtlichen Sender Österreichs schon immer ein Zankapfel war. Medienminister Andreas Babler, zugleich Vizekanzler und Vorsitzender der SPÖ, will nun einen Reformprozess für den größten Medienkonzern Österreichs vorziehen.
Im September ist das „Zukunftsforum – Ein Konvent für den ORF“ geplant, mit österreichischen und internationalen Experten. Im Zentrum steht eine Gremienreform, die Verhinderung von Machtmissbrauch, Effizienzsteigerung und eine Anpassung der digitalen Möglichkeiten. Zudem kündigt das Ministerium Maßnahmen bei Spitzengehältern und Nebenbeschäftigungen an.
Babler formuliert es gegenüber der Wiener Tageszeitung „Standard“ martialisch: Man müsse die „aus dem Lot geratenen Gagenexplosionen“ einhegen. Der ORF solle „schlanker, digitaler, transparenter, bürgernäher, regionaler und nachhaltiger“ werden. Den Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation bildet der Fall Weißmann – zugleich Symptom eines tieferen Problems.
Was Experten sagen
Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt nun, ob die Mitarbeiterin, die ihm Fehlverhalten vorwirft, ihn erpresst hat und ob Tonaufnahmen missbräuchlich verwendet wurden. Demnach soll die Frau über Jahre Gespräche mit Weißmann ohne sein Wissen aufgezeichnet und im März Dritten vorgespielt haben. Auch steht der Vorwurf im Raum, es sei gedroht worden, belastendes Material zu veröffentlichen, sollte Weißmann nicht zurücktreten und Schadenersatz leisten.
Juristisch gilt – wie in all diesen Fällen – die Unschuldsvermutung; die Ermittlungen laufen. Reihenweise Baustellen Im Sender selbst setzte eine Compliance-Untersuchung an. Ihr Ergebnis: keine sexuelle Belästigung im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes.
Dennoch wurde Weißmann gekündigt – mit der Begründung, es bestehe der Anschein unangemessenen Verhaltens. Die neue ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher zeigte sich von bekannt gewordenen Chatprotokollen schockiert und urteilte im April, Weißmanns Verhalten sei falsch und für eine Führungskraft inakzeptabel gewesen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





