
Raimund Schulz über Mythos: Warum Odysseus heute noch fasziniert
Raimund Schulz über Mythos : Warum Odysseus heute noch fasziniert Von Melanie Möller 15.07.2026, 09:30Lesezeit: 4 Min. Matt Damon als Odysseus und Zendaya als Athena, Szene aus „Die Odyssee“Universal Pictures via APDer...
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Hier sind die aktuellen Nachrichten aus aller Welt: Raimund Schulz über Mythos : Warum Odysseus heute noch fasziniert Von Melanie Möller 15. 2026, 09:30Lesezeit: 4 Min. Matt Damon als Odysseus und Zendaya als Athena, Szene aus „Die Odyssee“Universal Pictures via APDer Althistoriker Raimund Schulz porträtiert Odysseus als gebrochenen Helden aus einer Betrügerfamilie.
Was macht die Figur noch heute zur Orientierung tauglich – und wo bleibt eigentlich der Schatz der Phäaken? Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Alle warten ungeduldig auf das Anlaufen der neuen Odyssee-Verfilmung von Christopher Nolan, die am 16. Juli Deutschlandpremiere hat.
Die Einzelheiten
Die große Aufmerksamkeit im Vorfeld zeigt, welch ungebrochene Faszination nicht nur der facettenreiche mythische Stoff, sondern auch die Titelfigur ausübt: Odysseus, der blitzgescheite, leidgeprüfte Abenteurer, der im Film von Matt Damon verkörpert wird. Dieses breite Interesse schlägt sich auch in Buchpublikationen nieder, die neue Perspektiven versprechen. Sogar am Teutoburger Wald, sonst eher für das Ringen um den historischen Ort der Varus-Schlacht bekannt, wurde Odysseus nun ins Kreuzverhör genommen: Der Bielefelder Althistoriker Raimund Schulz, von dem eindrucksvolle Panoramen zu Themen wie antike Seefahrt, Krieg, Herrschaft und Weltgeschichte stammen, widmet sich dem vielseitigen Helden aus einer dezidiert sozialkritischen Perspektive.
Raimund Schulz: „Odysseus“Klett-CottaSchon in der antiken Philologie war man sich einig, dass die Figur des umtriebigen Migranten in der „Odyssee“ komplexer gezeichnet ist als die Helden der älteren „Ilias“. Auch genießt sie die Sympathie ihres Erzählers – so hatte Eustathios, ein Bischof aus Byzanz, Homer in seinem Kommentar als philodysseus, einen „Odysseus-Freund“, bezeichnet. Gewogen, wenn auch durchaus nicht bedingungslos, ist auch Schulz seinem wortgewandten „Lieblingshelden“.
Schulz bemüht sich in dreizehn thematischen Blöcken und einer Bilanz um ein denkbar konkretes Porträt, indem er den im Epos fassbaren großen Themen rund um Liebe und Tod, Abenteuer und Gefahr, Heimat und Fremde, Gewalt und Schönheit, Rausch und Vernunft nachspürt, dabei aber auch immer wieder nüchterne Diagnosen zur menschlichen Natur, zur „Beutegier“ der Menschen und der sie begleitenden Götter bietet. Der historische Fokus ist von Beginn an deutlich: Vor allem die unterschiedlichen Machtkonstellationen sowie die Topographie mit ihren vielfältigen Handelsbeziehungen zwischen West und Ost fesseln den Verfasser: „Ständig waren Menschen unterwegs“, heißt es einmal lakonisch, und die integrierten Kartenansichten belegen eine gewisse Sehnsucht nach Fakten. Dennoch bleibt Schulz vorsichtig bei allzu eindeutigen Zuordnungen, weiß er doch, dass schon der hellenistische Gelehrte Eratosthenes (3.
) allzu Ambitionierte verspottete mit dem ironischen Kommentar, die Route des Odysseus sei erst identifizierbar, wenn man den Schuster gefunden habe, der für die Vernähung des von Aiolos erhaltenen Windschlauches verantwortlich war.
Das Thema zählt nun zu den wichtigsten Punkten der globalen Agenda.





