
Ausstellung Lina Lapelytė: Kinder, baut mal was Schönes!
Ausstellung Lina Lapelytė : Kinder, baut mal was Schönes! Von Konrad Muschick 18.05.2026, 15:19Lesezeit: 4 Min. Lina Lapelytės Installation „ We Make Years Out of Hours“ im Hamburger BahnhofFlorian Mag/VG Bild-Kunst,...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Ausstellung Lina Lapelytė : Kinder, baut mal was Schönes! Von Konrad Muschick 18. 2026, 15:19Lesezeit: 4 Min.
Lina Lapelytės Installation „ We Make Years Out of Hours“ im Hamburger BahnhofFlorian Mag/VG Bild-Kunst, Bonn 2026400. 000 Bauklötze, finanziert von Chanel: Die litauische Biennale-Gewinnerin Lina Lapelytė verwandelt in Berlin das „Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof“ in den edelsten Großspielplatz Deutschlands. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Es war ein Ereignis, mit dem die litauischen Künstlerinnen Lina Lapelytė, Rugilė Barzdžiukaitė und Vaiva Grainytė die Kunstwelt vor sieben Jahren in Venedig in nachdenkliches Staunen versetzt hatten.
Die Einzelheiten
Eine von lebensfrohen Farben leuchtende Strandszenerie, ein Wimmelbild der profanen Glückssuche: Badmintonspielende und Eis essende Kinder, Sehnsüchtige und Erschöpfte, mitten auf der ovalen, in Sand getauchten Bühne, die das Publikum aus halberhöhter Position, etwas voyeuristisch, in den Blick nehmen konnte. Zauberhaft verfremdet dadurch, dass die Strandbesucher Singende waren, von Liedern, die zwischen Oper und sanftem Popsong schwankten, repetitiv, eingänglich und von einer fast unerträglichen Leichtigkeit. Und bittersüß gebrochen dadurch, dass diese auf Englisch gesungenen Songs vom Klimawandel handelten und in einer lakonischen Weise die beschränkten, allzumenschlichen Regungen des Seelenlebens mit dem schwer zu greifenden Ausmaß der Klimabedrohung kurzschlossen.
„O the sea never had so much color! ”, wurde das Bild von Quallen besungen, die zwischen smaragdgrünen Plastiktüten und roten Trinkverschlüssen tanzen. Selten wurde der Widerspruch zwischen dem bürgerlichen Wunsch nach ästhetischer Entlastung und der Wirklichkeit so sanft auf den Punkt gebracht.
Ein Geruch zwischen Sägewerk, Ikea und SaunaNach dem großen Erfolg dieser zeitgenössischen Oper mit dem Titel „Sun & Sea (Marina)“, die damals den Goldenen Löwen gewann, durfte man gespannt sein auf Lina Lapelytės erste große Soloarbeit in Deutschland, „We Make Years Out Of Hours“ in der Historischen Halle des Hamburger Bahnhofs. Auch weil sie der Venedig-Arbeit auf den ersten Blick in ihrer sachten Monumentalität und dem kreativen Umspielen der Genregrenzen von Performance, Installation und Klangkunst nahezukommen verspricht. Doch sobald man den Geruch irgendwo zwischen Sägewerk, Ikea und Sauna wahrnimmt, während man sich in einer hölzernen Landschaft aus Bauklötzen versucht zu orientieren, wittert man, dass sich mit dem neuen künstlerischen Ansatz so einiges verschoben hat.
Lapelytė und die beiden Kuratoren Sam Bardouil und Till Fellrath haben – ermöglicht von einer großzügigen Finanzspritze von Chanel – 400. 000 Holzklötze in die Halle schaffen lassen, um ein interaktives Projekt zu erschaffen, das mit Schlagwörtern wie Partizipation und Achtsamkeit beworben wird. Wehe dem, der bei Chanel an Luxus, Exklusivität und Zigarettenrauch denken muss.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





