
Biennale in Venedig: Die globale Kunst taumelt am Abgrund
Biennale in Venedig : Die globale Kunst taumelt am Abgrund Von Stefan Trinks 08.05.2026, 10:57Lesezeit: 11 Min. Friedhofsglocke mit nacktem Abendmahl: Eine Tänzerin von Florentina Holzingers „Seaworld Venice“ im...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Biennale in Venedig : Die globale Kunst taumelt am Abgrund Von Stefan Trinks 08. 2026, 10:57Lesezeit: 11 Min. Friedhofsglocke mit nacktem Abendmahl: Eine Tänzerin von Florentina Holzingers „Seaworld Venice“ im österreichischen Pavillon fungiert zu jeder vollen Stunde als menschlicher Klöppel.
AFPPerformerinnen in Fäkalien-Tanks, Pussy-Riot-Demos vor dem Russland-Pavillon, Plattenbau-Mosaik am deutschen Pavillon: Die 61. Biennale in Venedig spiegelt den Zustand der Welt – im Guten wie im Bösen. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Die diesjährige Biennale ist ein wirbelndes Theatrum mundi, das wie zur venezianischen Hochzeit des Barocks die Welt und ihre Verwerfungen in der Kunst spiegelt.
Die Einzelheiten
Bereits die Wassertaxis zu ihr fahren aufgrund der gesperrten Meeresstraße von Hormus und der astronomischen Spritpreise viel langsamer als sonst. Wohl erstmals in der Geschichte der Biennale gibt es vor dem US-Pavillon mit unsäglichen Plastiken Alma Allens, kuratiert von einer ehemaligen Hundefutterverkäuferin aus Florida mit gutem Draht zu Trump, keine Schlangen. Und unmittelbar zur Linken des Haupteingangs der Guardini hängt am Lastenkran eines Lkw wie ein Damoklesschwert der „Origami Deer“ der Ukraine.
Die kubistische Bronzeplastik eines Hirschs stand einst im Park der ostukrainischen Stadt Pokrowsk und symbolisiert nun nach seiner Rettung durch Demontage und 6000 Kilometern Odyssee die Gefährdungen ihres von Russland angegriffen Herkunftslandes. Das wiederum tut auf harmlos und persifliert mit einer die russisch-österreichische Biennalelöwen-Gewinnerin 2024, Anna Jermolaewa, mit ihren Blumen der Revolutionen aufgreifenden Blumenstilleben-Orgie auf beiden Etagen den Gegner. Zu achtstimmigen sakral wirkenden Gesängen, die wie in einer russisch-orthodoxen Kirche klingen, faseln die Raumtafeln neben den meterhohen Blumenbouquets etwas vom Verlust des einstigen Dufts und der Reinheit der überzüchteten Pflanzen aus den Hauptexportländern für Edelpflanzen Uganda und Kenia.
Fünf Kultusministerinnen schießen in Venedig scharf gegen PutinSchleichendes Gift der Propaganda (der Pavillon wurde von der politisch eng mit der russischen Rüstungsindustrie verbandelten Anastasia Karneeva und der Tochter von Putins Außenminister Lawrow kuratiert): Jeder darf gratis wertvolle Blumen mitnehmen, die sich im Nu wie üble Neophyten über das Gelände verstreuen; ironischerweise fließt statt Wodka literweise Gordon's Gin für alle. Dass Russland seinen Pavillon nach den drei Pressetagen wieder schließt und auch bis November geschlossen hält, glaubt indes kaum jemand. Verpixelt mit mehr als drei Millionen Mosaiksteinchen: der Deutsche Pavillon mit Sung Tieus Arbeit „Human Dignity Shall Be Inviolable“Andrea RossettiDoch sind Putins Gegner keinesfalls gewillt, die skandalöse Entscheidung der Wiederzulassung Russlands durch den Biennaledirektor Buttafuoco mit Salvini im Hintergrund kampflos hinzunehmen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





