
Botanik-Kolumne: Wie Flieder das Stadtklima verbessert
Botanik-Kolumne : Wie Flieder das Stadtklima verbessert Von Pia Heinemann 05.05.2026, 11:38 Lesezeit: 3 Min. Bildbeschreibung ausklappen Flieder wirft nicht nur Schatten, sondern kühlt aktiv seine Umgebung. dpa Wer den...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Botanik-Kolumne : Wie Flieder das Stadtklima verbessert Von Pia Heinemann 05. 2026, 11:38 Lesezeit: 3 Min. Bildbeschreibung ausklappen Flieder wirft nicht nur Schatten, sondern kühlt aktiv seine Umgebung.
dpa Wer den Duft des Frühlings genießen will und im Garten Kühle sucht, dem sei zu Flieder geraten. Er kann die Umgebungstemperatur um mehr als zwei Grad Celsius senken. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Derzeit riechen Städte nicht nur muffig, staubig und nach Harnstoff: Frühling ist Fliederduftzeit.
Die Einzelheiten
Manchmal riecht man die Sträucher schon, bevor man sie sieht. Ökologisch ist ein so intensiver Duft sinnvoll, denn Hummeln, Nachtfalter und andere Bestäuber müssen angelockt werden. Wer eine tiefe Nase des Fliederduftes intensiv wahrgenommen hat, ahnt: Ein solcher Duft ist kein simples Stoffgemisch.
Deshalb zieht der Duft auch Chemiker magisch an. Sie haben Flieder-Aldehyde in mehreren isomeren Formen isolieren können, die im Labor zwar noch relativ einfach nachzukochen – aber dann sehr instabil sind. Bei der Herstellung fallen auch Alkohole ab, die in der Natur bei der Verduftung der Stoffe eine Rolle spielen.
Die wichtigste Komponente des Duftes ist der Terpenalkohol Linalool – je nachdem, ob es warm oder kalt ist, wird mehr davon abgesondert. An warmen Tagen riechen die Blüten deshalb intensiv, süß und, im Jargon der Duftexperten, rund. An kalten Tagen sei der Geruch dezenter und weniger süß.
Was Experten sagen
Charlotte Wagner Im Duft haben die Wissenschaftler auch Ester, Terpenderivate und flüchtige aromatische Verbindungen gefunden. Je nachdem, welche der mehr als 20 Arten und Sorten die Wissenschaftler durch ihre Gaschromatographen und Massenspektrometer schicken, sind die Duftprofile sehr unterschiedlich. Für die Parfüm-, Raumduft- und Wäscheerfrischer-Industrie ist das natürlich sehr interessant, freut sich der Kunde doch über neue, frühlingshafte Parfüms und Seifen.
Flieder ist in Städten nicht nur ein Frühlingsbote, sondern auch eine Klimahoffnung. Messungen haben ergeben, dass er die Lufttemperatur lokal um bis zu 2,5 Grad Celsius senken kann – was natürlich vom Standort, der Blattdichte und der Tageszeit abhängt. Auch die Bodentemperatur ist unter dem Gehölz niedriger als in der Umgebung.
Das liegt natürlich am Schatten, aber wichtiger: auch an der Verdunstungskälte. Generell gilt ja, dass ein Gramm Wasser, das verdunstet, der Umgebung etwa 2,4 Kilojoule Wärme entzieht – das ist etwa so viel Energie, wie sie ein Mensch verbraucht, wenn er zwei Treppenstufen hinaufsteigt. Klingt nicht viel, aber wegen seiner ziemlich vielen und dünnen, hydrophilen Blätter verdunstet am Flieder besonders viel Wasser durch die Spaltöffnungen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





