
Carl-Schmitt-Debatte: Sein gefährliches Denken fasziniert noch immer
Carl-Schmitt-Debatte : Sein gefährliches Denken fasziniert noch immer Von Nikolai Ott 06.05.2026, 20:48Lesezeit: 4 Min. Am 8. Mai 1945 schrieb Carl Schmitt in sein Tagebuch: „Aber ich spüre doch immer noch den Trieb...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Carl-Schmitt-Debatte : Sein gefährliches Denken fasziniert noch immer Von Nikolai Ott 06. 2026, 20:48Lesezeit: 4 Min. Mai 1945 schrieb Carl Schmitt in sein Tagebuch: „Aber ich spüre doch immer noch den Trieb nach Plettenberg, Sehnsucht nach der Heimat.
“ Wolfgang Haut porträtierte ihn dort im Juni 1978. Wolfgang HautCarl Schmitts anhaltende Zitierfähigkeit gibt manchem Zeitdeuter Rätsel auf. Im Jüdischen Museum Berlin diskutierten Raphael Gross, Anna-Bettina Kaiser und Jan-Werner Müller auch über eigene Lektüreerfahrungen.
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Ist der Mann Ausdruck seiner Zeit oder umgekehrt? Die penible Unterscheidung zwischen kontextueller Variable und individueller Schaffenskraft ist in der ideengeschichtlichen Forschung Standard. Im Fall von Carl Schmitt stellt sich die Frage jetzt ganz aktuell.
Ist der fälschlicherweise als „Kronjurist des Nationalsozialismus“ – das waren eher Hans Frank oder Roland Freisler – abgestempelte Rechtsgelehrte heute en vogue, weil die Zeit Carl Schmitts zurückgekehrt ist oder weil er seiner Zeit ein Begriffsangebot machte, dass auch die Nachwelt nicht ausschlagen kann? Eine Podiumsdiskussion in der Veranstaltungsreihe des Jüdischen Museums Berlin zu „Paradoxien der Demokratie“ fragte jetzt „Wer rettet uns vor Carl Schmitt? “ Das impliziert zumindest, dass selbst in einer kritischen Auseinandersetzung noch bewusst oder unbewusst Schmitts Idee vom Katechon, dem „Aufhalter“ nach dem Zweiten Thessalonicherbrief, fortlebt.
Hinter der Titelfrage der Berliner Veranstaltung steckte die Frage: Wie kam es dazu – dass die Abwehr Schmittscher Gedanken heute wieder so dringlich scheint? Die vielen Labels, die Raphael Gross, Anna-Bettina Kaiser und Jan-Werner Müller unter der Gesprächsleitung von Mariam Lau für Schmitt verwendeten, „Anti-Liberaler“, „Antisemit“, „Menschenverführer“, sind zweifelsohne zutreffend, an seiner „riesigen weltweiten Rezeption“ (Gross) ändern sie nichts. In manchen Fällen bedingt das eine vermutlich sogar das andere.
Was Experten sagen
Ein fester Platz im anti-liberalen KanonReizvoll war, dass die drei Intellektuellen jeweils für sich eine persönliche Schmitt-Geschichte erzählen konnten. Die Verfassungsrechtlerin Kaiser von der Humboldt-Universität, die nicht anders konnte, als sich in ihrer Beschäftigung mit dem Ausnahmezustand mit Schmitt zu befassen. Der Ideengeschichtler Müller, der im politikwissenschaftlichen Curriculum der Universität Oxford die anti-liberale Leseliste von Isaiah Berlin nach dessen Tod modernisieren sollte.
Oder Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums, der im Geschichtsstudium nicht glaubte, dass es rechte Denker gebe und dann Schmitt entdeckte.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





