
Debatte über Restitution: Muss geraubte Kunst wirklich zurückgegeben werden?
Debatte über Restitution : Muss geraubte Kunst wirklich zurückgegeben werden? Von Peter Geimer 27.04.2026, 12:53 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Drei Herrscher aus dem Königreich Dahomey, die 2021 von...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Debatte über Restitution : Muss geraubte Kunst wirklich zurückgegeben werden? 2026, 12:53 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Drei Herrscher aus dem Königreich Dahomey, die 2021 von Frankreich an Benin zurückgegeben wurden: König Behanzin, König Ghézo und König Glélé.
EPA Die Frage nach im kolonialistischen Kontext entwendeten Kunstwerken entfacht immer wieder kontroverse Diskussionen. Souleymane Bachir Diagne plädiert für einen neuen Zugang – jenseits identitärer Engführung. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App In ihrem Film „Dahomey“ dokumentiert die französische Regisseurin Mati Diop die Geschichte der sechsundzwanzig Werke afrikanischer Kunst, die 1892 von Kolonialtruppen nach Paris verfrachtet und im November 2021 in das heutige Benin rücküberführt wurden.
Die Einzelheiten
Unter den Exponaten, die man im Pariser Musée du Quai Branly in hölzerne Transportkisten verstaute, um sie auf die Reise in ihr Ursprungsland zu schicken, befand sich auch die lebensgroße Statue des Königs Gezo. In einer eindrücklichen Szene des Films sieht man die verschlossene Kiste im Frachtraum des Flugzeugs verschwinden. Wenige Augenblicke später bedeckt ein undurchdringliches Schwarz den Bildschirm: Aus dem Inneren ihres sargähnlichen Gehäuses heraus beginnt die Statue zu sprechen.
„Ich bin hin- und hergerissen zwischen der Angst, von keinem mehr erkannt zu werden, und der Angst, nichts mehr wiederzuerkennen. “ Der hybride Status geraubter Kunstwerke Was wird die Statue am Ziel ihrer Reise erwarten? Das vertraute Land der Vergangenheit oder eine nicht wiederzuerkennende Fremde?
Die Figur bewegt sich zwischen zwei Welten: dem Land der Kolonisatoren, in das man sie vor über einhundert Jahren verfrachtet hat, und ihrem Heimatland, das in der langen Zeit ihrer Abwesenheit ein anderes geworden ist. Souleymane Bachir Diagne: „Les universels du Louvre“ Albin Michel In seinem jüngsten Buch nimmt der senegalesische Philosoph Souleymane Bachir Diagne die Szene aus Diops Film als Sinnbild für den hybriden Status geraubter Kunstwerke. Der Band dokumentiert fünf Vorlesungen, die Diagne Ende 2024 im Louvre auf Einladung seiner damaligen Direktorin Laurence des Cars gehalten hat.
Was Experten sagen
„Die Universalien des Louvre“ – der Titel verrät noch nicht, welche Auffassung von Universalismus der Autor seinen Überlegungen zugrunde legt, welche hingegen er zurückweist. Im Laufe der Lektüre klärt sich das rasch. Als Beispiel einer universalistischen Engführung führt Diagne Hegels Geschichtsphilosophie an, die das eigene Denken zur allgemeinverbindlichen Norm erklärt und abweichende Weltbilder nur als Vorstufe oder Defizit verbucht.
Im afrikanischen Süden vermochte Hegel nur die Kultur einer „geschichtslosen“ Gesellschaft zu erkennen, die noch „ganz im natürlichen Geiste befangen“ war und „an der Schwelle der Weltgeschichte“ verharrte.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





