
Debatte um Serie: Wird hier die Schoa der Geschichtlichkeit entrissen?
Debatte um Serie : Wird hier die Schoa der Geschichtlichkeit entrissen? Gastbeitrag Von Natan Sznaider 13.05.2026, 17:14Lesezeit: 6 Min. Die Schauspielerin Julia Windischbauer als Etty und Sebastian Koch als...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Debatte um Serie : Wird hier die Schoa der Geschichtlichkeit entrissen? Gastbeitrag Von Natan Sznaider 13. 2026, 17:14Lesezeit: 6 Min.
Die Schauspielerin Julia Windischbauer als Etty und Sebastian Koch als Psychochirologe Julius Spier© Anne Wilk/Mark de Blok„Etty“ heißt die Serie, mit der der israelische Regisseur die Tagebücher der in Auschwitz ermordeten Elly Hillesum verfilmt hat. Die Provokation besteht darin, dass er die Geschichte in der Gegenwart in Amsterdam spielen lässt. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Seit über 20 Jahren ist jede neue Fernsehserie des israelischen Regisseurs und Produzenten Hagai Levi ein Ereignis.
Die Einzelheiten
Im September letzten Jahres feierte ein besonderes Werk bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere: „Etty“, eine Verfilmung der Tagebücher von Etty Hillesum. In ihren Aufzeichnungen aus den Jahren 1941 bis 1943 beschrieb sie ihre spirituelle Entwicklung während der Judenverfolgung im besetzten Amsterdam und im Lager Westerbork. Die Serie selbst besteht aus sechs 50-minütigen Episoden und wurde im Januar im israelischen Kino – in Anwesenheit des Regisseurs – in zwei Teilen von je 150 Minuten vorgestellt.
In Deutschland wird das Werk nun in sechs Teilen bei Arte zu sehen sein. Nicht nur dieses Format weckt Erinnerungen an Claude Lanzmanns monumentale Dokumentation „Shoah“, die 1985 als Zweiteiler mit einer Gesamtlänge von über neun Stunden in die Kinos kam. Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
jetzt lesen Hagai Levi begann seine Karriere mit einer Serie, die zwischen 2005 und 2008 die israelische Öffentlichkeit in ihren Bann zog: „In Behandlung“. Darin geht es um einen Therapeuten, der über neun Wochen hinweg an vier Tagen pro Woche Patienten aus verschiedenen Lebenswelten Tel Avivs behandelt. Die Serie war so erfolgreich, dass der US-Sender HBO das Konzept kaufte und von 2008 bis 2010 die amerikanische Version unter dem Titel „In Treatment“ ausstrahlte.
Was Experten sagen
Das Format wurde daraufhin in zahlreiche Länder verkauft. In Deutschland wurde ab 2008 die US-Fassung unter dem Titel „In Treatment – Der Therapeut“ ausgestrahlt. Julia Windischbauer als Etty© Reiner BajoDie Serie zeichnet ein Bild von Israel, das fast ausschließlich aus Tel Aviv und ihren Menschen besteht.
Die Patienten gehören dem westlich orientierten, säkularen Bürgertum an. Ihre Probleme sind keine spezifisch israelischen, sondern die eines globalen Mittelstands, der den Boden unter den Füßen verliert. Die Sprache ist universell.
Innerlichkeit ist ein LuxusMit „In Treatment“ vollzog sich eine Psychologisierung der Politik, auf die sich das Publikum damals bereitwillig einließ. Die erfolgreiche Serie selbst wurde zur „Behandlung“. Sie schuf einen Freiraum, in dem sich Teile der israelischen Bevölkerung als Teil einer globalen, kosmopolitischen Mittelklasse identifizieren konnten.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





