
Deindustrialisierung: Transformiert, sich bewegt – und doch insolvent
Deindustrialisierung : Transformiert, sich bewegt – und doch insolvent Von Benjamin Wagener, Sauldorf-Krumbach 12.05.2026, 10:18Lesezeit: 8 Min. Günter Stecher steht auf dem Werksgelände der Stecher Group vor einer...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Deindustrialisierung : Transformiert, sich bewegt – und doch insolvent Von Benjamin Wagener, Sauldorf-Krumbach 12. 2026, 10:18Lesezeit: 8 Min. Günter Stecher steht auf dem Werksgelände der Stecher Group vor einer Automatisierungszelle.
Philipp von DitfurthEin kleiner Zulieferer aus Baden emanzipiert sich von der Autoindustrie, erfindet neue Produkte – und rutscht doch in die Insolvenz. Der Fall Stecher ist ein Symptom für die Investitionsschwäche der deutschen Industrie. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Vom Stammsitz des Familienunternehmens Stecher in Sauldorf-Krumbach, einem kleinen badischen Dorf zwischen Pfullendorf und Tuttlingen, geht der Blick über wohl bestellte Äcker.
Die Einzelheiten
Einige sind durch den blühenden Raps gelb gefärbt. Es ist nicht zuletzt diese Aussicht gewesen, die Günter Stecher zu seinem Vergleich inspiriert hat. „Wir haben gutes Saatgut, aber das fällt zurzeit auf Betonboden“, sagt er.
„Es gab mal eine Zeit, da war der Boden gut, es hat geregnet, und das Saatgut kam zur richtigen Zeit. “ Stechers Saatgut sind Anlagen zur Automatisierung von industriellen Fertigungsprozessen. Mit ihnen hat der Unternehmer anfangs seine eigene Produktion effizienter ausgerichtet, bevor er den von seinem Vater gegründeten Drehteile-Spezialisten mit der neuen Entwicklung aus der Abhängigkeit von der Autoindustrie befreien wollte.
„Die Art der Automation ist absolut zukunftsfähig“, erklärt der 60 Jahre alte Stecher-Chef. „Mir war schnell klar, dass die neue Idee ein eigenes Produkt sein kann, um das Unternehmen zu stabilisieren. “ Doch die Saat ging nicht auf.
Was Experten sagen
Die ausbleibenden Investitionen der Industrie in Deutschland sind der Betonboden, der die Ideen von Günter Stecher nicht keimen lässt. Anfang April ist die Stecher-Gruppe in die Insolvenz gegangen. Fall Stecher steht für die Probleme des WirtschaftsstandortsAuf den ersten Blick ist die Nachricht von der Zahlungsunfähigkeit eines kleinen Zulieferers zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee, der große Maschinenbauer und vor allem auch die Autoindustrie beliefert, im Frühjahr 2026 nichts Ungewöhnliches.
Im Zuge der Krise der zwei baden-württembergischen Kernbranchen steigt die Zahl der Insolvenzen im Südwesten kontinuierlich – seit 2023 um mehr als 30 Prozent. Der Fall Stecher ist aber mehr als ein Beispiel unter vielen, er steht für grundlegende Strukturprobleme. Das kleine Familienunternehmen mit seinen fast 200 Mitarbeitern hat genau das gemacht, was Zulieferern seit Jahren geraten wird: Stecher hat andere Kunden gesucht, sich von der Autoindustrie emanzipiert – und ein neues Produkt entwickelt.
Gemeint ist damit eine Automatisierungszelle mit zugehöriger Software, für die das Unternehmen 2019 eine neue Tochtergesellschaft gegründet hat. Die Idee besteht darin, dass eine traditionelle industrielle Fertigungslinie mit verschiedenen Stufen in die einzelnen Bearbeitungsschritte aufgespalten wird.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





