
Ethan über Jacob Taubes: Am Rande des Größenwahns
Ethan über Jacob Taubes : Am Rande des Größenwahns Von Wolfgang Matz 03.05.2026, 21:14 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Jacob Taubes, 1978 Ullstein Ethan Taubes erinnert sich an seinen Vater, den Philosophen...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Ethan über Jacob Taubes : Am Rande des Größenwahns Von Wolfgang Matz 03. 2026, 21:14 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Jacob Taubes, 1978 Ullstein Ethan Taubes erinnert sich an seinen Vater, den Philosophen Jacob Taubes.
Sein Memoir wirft die Frage auf, ob man die Theorien eines Wissenschaftlers auf seinen Geisteszustand zurückführen darf. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App „Für die Kinder sind Eltern immer der schlechteste Umgang. “ Hat der längst verlorene Schulfreund vielleicht doch recht gehabt mit seinem kategorischen Urteil?
Die Einzelheiten
Im Fall von Jacob und Ethan Taubes, Vater und Sohn, fühlt sich der Rezensent noch Jahrzehnte nach den fernen Jugendtagen fast überzeugt. Der Religionswissenschaftler und Judaist Jacob Taubes (1923 bis 1987) ist weiß Gott eine schillernde Gestalt. Da seine Dissertation „Abendländische Eschatologie“ das einzige Buch blieb, umgibt seine spätere Beschäftigung mit der Theologie des Paulus der Zauber einer umso exklusiveren Geheimwissenschaft.
Leicht diabolischen Glanz bekommt diese Aura zudem durch Taubes’ extrem kontroverse Persönlichkeit und durch neugierfördernde, viel beschriebene Lebenstatsachen wie den Freitod seiner ersten Frau Susan Taubes und ihren autobiographischen Eheroman „Nach Amerika und zurück im Sarg“. Der reine Wissenschaftler Jacob Taubes ist in dieser Gemengelage kaum auffindbar. Ein irres, wirres Leben Ändert sich das durch die Erinnerungen seines Sohnes?
Es ist ein äußerst merkwürdiges, immer wieder fesselndes, immer wieder nervtötendes Dokument – aber Dokument wofür? Der Rezensent findet sich in heikler Lage: Die Nähe, Intensität, mit der hier der Sohn seinem Vater und sich selbst zu Leibe rückt, macht aus dem Kritiker eines Buches unversehens den Kritiker eines Menschen; schüttelt er den Kopf, so meint er oft nicht das Buch, nicht einmal den Autor, sondern tatsächlich den Sohn, vom Vater ganz zu schweigen. Ethan Taubes: „Der verlorene Vater“ Matthes & Seitz Solches Kopfschütteln aber ist ganz und gar nicht Rezensentensache.
Was Experten sagen
Ein Buch ist ein Buch, und nur das will beurteilt werden, nicht aber das irre, wirre Leben, von dem es erzählt. Also hält sich der Leser ans Buch und fragt zuerst, warum er es lesen soll. Weil es um eine extreme Vater-Sohn-Beziehung geht?
Oder doch weil der Vater, von dem hier erzählt wird, eine Berühmtheit ist? Aber lernt man denn etwas über den Wissenschaftler und sein Denken aus dieser extremen Vater-Sohn-Beziehung? Jacob Taubes, Professor in Westberlin, erleidet 1976 einen kompletten Zusammenbruch, wird in New York, wo sein Sohn lebt, mit einer harten Elektroschock-Therapie schließlich wiederhergestellt.
Nun will er zurück nach Berlin, an die Universität. Vor der Abreise treffen sich Vater und Sohn noch einmal, verbringen den Heiligen Abend miteinander, reden, streiten, essen, streiten, trinken, streiten, und diese, bizarr genug, gemeinsame Christnacht zweier Juden bildet den erzählerischen Rahmen von Ethan Taubes Memoir.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





