
Europas Klimakrise: Wer will noch das Schwarzmalen?
Europas Klimakrise : Wer will noch das Schwarzmalen? Ein Kommentar von Joachim Müller-Jung 29.04.2026, 17:06 Lesezeit: 3 Min. Bildbeschreibung ausklappen War da was mit dem Klimachaos? Die Menschen kühlen sich im...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Europas Klimakrise : Wer will noch das Schwarzmalen? Ein Kommentar von Joachim Müller-Jung 29. 2026, 17:06 Lesezeit: 3 Min.
Bildbeschreibung ausklappen War da was mit dem Klimachaos? Die Menschen kühlen sich im Trocadero-Brunnen vor dem Eiffelturm ab, während Frankreich von einer Hitzewelle heimgesucht wird. Foto Picture Alliance Europa heizt doppelt so schnell auf wie der Rest der Welt, doch viele fragen sich: Wie verstecken wir Hiobsbotschaften am effektivsten?
Die Einzelheiten
Endzeitstimmung verbreiten darf nur noch, wer vor Deindustrialisierung warnt. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Immer trifft es die Falschen, auch beim Klima. Das wäre eine denkbare und auch schon reichlich eingeübte Lesart der Klimawandelbilanzen, wie sie gestern mit dem neuen Bericht des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage und der Weltmeteorologiebehörde nahegelegt wurde.
Und es stimmt ja: Europa heizt sich doppelt so schnell auf wie der Rest der Welt, daran ist inzwischen nicht mehr zu rütteln. Außer vielleicht, dass es im nächsten Jahr oder im übernächsten heißen könnte: Europa heizt sich jetzt noch schneller auf. Und auch dann wird, gespickt mit bitterer Ironie, gefragt werden: Ausgerechnet Europa, der Kontinent der klimapolitischen Schulmeister?
Nicht nur zählen die Europäer (wenn auch nicht alle Länder gleich) seit jeher zu den progressivsten in der Klimapolitik, sie sind auch kommunikativ besonders forsch, wenn es etwa darum geht, die Massen für einschneidende Maßnahmen zu gewinnen. „Forschung für eine klimaneutrale Mobilität“, so klingt der aktuelle Sound europäischer Klimapolitik. Positiv klingen, konstruktiv gegen die Katastrophe und immer schön die Motivation hochhalten.
Was Experten sagen
Positive Psychologie statt Apokalypsenrhetorik oder moralisierendes Pathos. Lösungen statt Probleme sind gefragt Tatsächlich gibt es unter den klimapolitisch Aktiven längst einen von Europa ausgehenden globalen Konsens darüber, den Klimadiskurs nicht mehr in Weltuntergangskategorien und destruktiver Sprache zu führen. Lösungen statt Probleme, heißt es.
Psychologisch ist diese Losung auch vollkommen plausibel. Der Mensch ist gelähmt, wenn er in den Abgrund blickt. Aber probieren Sie mal aus dem, was der europäische Klimawandel-Dienst Copernicus an Daten für den neuen Klimabericht lieferte, einen positiven Turnaround hinzukriegen.
Wir müssen nur die Zusammenfassung zitieren: • „Mindestens 95 Prozent Europas verzeichneten 2025 überdurchschnittliche Jahrestemperaturen. • Eine dreiwöchige Rekordhitzewelle traf das subarktische Fennoskandien, wobei die Temperaturen in der Nähe und innerhalb des Polarkreises 30 Grad Celsius überstiegen. • Gletscher in allen Regionen Europas verbuchten einen Netto-Massenverlust, wobei Island den zweitgrößten Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen registrierte; die Schneedecke lag um 31 Prozent unter dem Durchschnitt; der grönländische Eisschild schrumpfte um 139 Gigatonnen (139 Milliarden Tonnen) Eis.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





