
Gewalt in Kolumbien: Wo Kinder in den Krieg „exportiert“ werden
Gewalt in Kolumbien : Wo Kinder in den Krieg „exportiert“ werden Von Tjerk Brühwiller, Santander de Quilichao 12.05.2026, 22:38Lesezeit: 9 Min. FARC-Dissidenten im August 2023 im Cauca im Südwesten KolumbiensAFPIn...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Gewalt in Kolumbien : Wo Kinder in den Krieg „exportiert“ werden Von Tjerk Brühwiller, Santander de Quilichao 12. 2026, 22:38Lesezeit: 9 Min. FARC-Dissidenten im August 2023 im Cauca im Südwesten KolumbiensAFPIn Kolumbien kämpfen Splittergruppen der früheren Guerilla um das Geschäft mit Rauschgift und illegalem Gold.
Dafür zwingen sie Kinder an die Waffen – so wie Sol und Ramón. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Sol war elf, als sie rekrutiert wurde. Sie konnte noch nicht richtig lesen, da lernte sie die Taktiken des Guerillakampfes, irgendwo im tiefsten Dschungel, wo genau das war, weiß sie nicht.
Die Einzelheiten
Sol lernte, mit Waffen umzugehen, musste unter Stacheldraht hindurchrobben. An einer Eisenstange riss sie sich dabei den Bauch auf. Sol musste innerlich und äußerlich genäht werden, war wochenlang im Krankenhaus.
Noch heute zieht sich eine große Narbe über ihren Bauch. Noch schlimmer aber sind die Wunden, die diese Zeit in ihrer Seele hinterlassen hat. In ihrem Dorf, erzählt Sol, habe die Guerilla zum Alltag gehört.
Sie erinnert sich daran, wie Kämpferinnen in der kleinen elterlichen Finca ein und aus gingen. Sie flochten ihr die Haare, bevor sie zur Schule ging. Ihr älterer Bruder schloss sich den Kämpfern an.
Was Experten sagen
Und als sie ihm schließlich folgte, waren auch schon viele andere dabei, die sie kannte. Sie habe damals älter ausgesehen als ihre elf Jahre und sei robust gewesen, sagt Sol heute fast rechtfertigend. Kinder als billige RessourceSeit in den Sechzigerjahren der Konflikt zwischen linken Guerillagruppen, Paramilitärs und dem kolumbianischen Staat ausbrach, werden in Kolumbien auch Minderjährige für den Kampf rekrutiert.
Daran hat auch der Friedensvertrag mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) vor zehn Jahren nichts geändert. Offiziell wurde die größte Guerillagruppe Kolumbiens aufgelöst. Tausende ihrer einstigen Kämpfer aber machen in unzähligen Splittergruppen weiter.
Sie werden FARC-Dissidenten genannt. Ihr Antrieb ist nicht mehr ideologisch oder politisch, sondern rein wirtschaftlich. Sie kämpfen um Territorien und Korridore für die Produktion und den Schmuggel von Rauschgift und illegalem Gold – gegen die weiterhin aktive Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN), gegen andere bewaffnete Banden und untereinander.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





