
Historiker Eckart Conze: „Wir müssen Frieden und Bewaffnung zusammendenken – wie im Kalten Krieg“
Historiker Eckart Conze : „Wir müssen Frieden und Bewaffnung zusammendenken – wie im Kalten Krieg“ Von Jannis Koltermann 18.05.2026, 13:49Lesezeit: 7 Min. Bereit für einen neuen Kalten Krieg? Verteidigungsminister Boris...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Historiker Eckart Conze : „Wir müssen Frieden und Bewaffnung zusammendenken – wie im Kalten Krieg“ Von Jannis Koltermann 18. 2026, 13:49Lesezeit: 7 Min. Bereit für einen neuen Kalten Krieg?
Verteidigungsminister Boris Pistorius 2023 im Turm eines Leopard 2A6. dpaWaren die Deutschen früher kriegslustiger als andere? Ist ihr Pazifismus inzwischen zum Problem geworden?
Die Einzelheiten
Ein Gespräch mit dem Historiker Eckart Conze über Deutschlands Rolle in der Welt – von 1648 bis heute. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Jahrhundertelang waren deutsche Armeen gefürchtet. Heute ist die Bundeswehr bedingt verteidigungsfähig, und die Deutschen gelten als überaus friedliebend – in den Augen einiger sogar als gefährlich friedliebend.
Wie ist diese Entwicklung zu erklären? Da scheinen mir zwei Faktoren zusammenzukommen. Zunächst einmal ist die Friedensorientierung der Deutschen natürlich eine Reaktion auf das Übermaß an Krieg und Gewalt in der deutschen Geschichte der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.
Trotz dieser Erfahrungen gab es im Kalten Krieg allerdings einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass der Frieden gesichert werden müsse – auch militärisch. Nach 1990 breitete sich dann überall in der westlichen Welt die Hoffnung auf ein Ende der großen Kriege aus. In Deutschland mit seinen spezifischen historischen Erfahrungen fiel diese Hoffnung auf einen besonders fruchtbaren Boden.
Was Experten sagen
Und auch die nach 1945 erprobten – und erfolgreichen – entspannungspolitischen Handlungsrepertoires wirkten weiter. Heute ist die moderate Linke in Deutschland eher für Aufrüstung und Landesverteidigung, die radikale Rechte dagegen. Hat es eine solche Konstellation schon einmal gegeben?
Der national-populistische Pazifismus, wie ihn die AfD vertritt, ist in der deutschen Geschichte einzigartig. Nicht einmal mit dem Nationalneutralismus nach dem Zweiten Weltkrieg lässt er sich vergleichen. Allerdings gab es in Großbritannien und, mehr noch, in Frankreich etwas Ähnliches in den Dreißigerjahren.
Damals war es insbesondere die politische Rechte, welche die Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland unterstützte. Neben einer gewissen ideologischen Nähe zum Nationalsozialismus glaubte sie, dass eine Verständigung mit Hitler im nationalen Interesse liege. Ähnliche Motive scheinen mir auch heute die Politik der AfD zu bestimmen – jenseits des leicht durchschaubaren Versuchs, von den Kriegsängsten der Menschen zu profitieren.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





