
Katholikentag und AfD: In der Kirche hilft keine Brandmauer
Katholikentag und AfD : In der Kirche hilft keine Brandmauer Ein Kommentar von Thomas Jansen 15.05.2026, 21:25Lesezeit: 3 Min. Eröffnungsgottesdienst des 104. Katholikentages am Donnerstag in WürzburgdpaDie AfD findet...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Katholikentag und AfD : In der Kirche hilft keine Brandmauer Ein Kommentar von Thomas Jansen 15. 2026, 21:25Lesezeit: 3 Min. Eröffnungsgottesdienst des 104.
Katholikentages am Donnerstag in WürzburgdpaDie AfD findet auch unter praktizierenden Katholiken Zuspruch. Aber deren Repräsentanten weichen unangenehmen Fragen aus. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Katholiken haben in Deutschland ein schweres Los: Kirchenaustritte, Missbrauch, Reformstreit und Priestermangel.
Die Einzelheiten
Aber über eines können sie sich derzeit nicht beklagen: dass ihnen öffentlich zu wenig Wertschätzung durch die Politik zuteilwürde. Geradezu flehentlich klingen manche Appelle: Macht endlich Schluss mit dem internen Hickhack um den „Synodalen Weg“, engagiert euch wieder mit voller Kraft für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ganz unberechtigt ist diese Sorge nicht.
Dass der Katholikentag in Würzburg als katholische Vitaminspritze für die Demokratie konzipiert wurde, ist daher zunächst ein positives Signal: Der deutsche Katholizismus beendet seine kirchliche Nabelschau. Eine gute Nachricht ist auch, dass Katholiken in diesen Tagen in Würzburg gegen Polarisierung, Hass und Hetze eintreten. Das gemeinsame religiöse Bekenntnis, das über Parteigrenzen hinausgeht, prädestiniert sie zu Brückenbauern.
Christliche Gelassenheit tut dem politischen Klima gut. Dennoch stellt sich ein Störgefühl ein. Viele Repräsentanten des deutschen Katholizismus drücken sich um ein unangenehmes Eingeständnis herum: Auch Katholiken sind mitverantwortlich für jene Entwicklung, der sie mit ihrer Großveranstaltung in Würzburg gegensteuern wollen.
Was Experten sagen
Was sie bei anderen Gelegenheiten gerne hervorheben, kehren sie in diesem Fall gerne unter den Tisch: dass sie Teil der Gesellschaft sind, im Guten, aber eben auch im Schlechten. Das katholische Bollwerk gibt es nicht mehrDas gilt mittlerweile auch, wenn es um die AfD geht. Der Mythos von dem katholischen Bollwerk, das gegenüber Populismus und Extremismus aller Art immun sei, ist gründlich entzaubert worden.
Seit Bestehen der Bundesrepublik war es fast so sicher wie das Amen in der Kirche, dass populistische und extremistische Parteien unter praktizierenden Katholiken deutlich weniger Zuspruch als im Bevölkerungsdurchschnitt erhalten. Das ist Vergangenheit. Der Stimmenanteil der AfD ist laut Umfragen selbst unter treuen Kirchengängern oft allenfalls geringfügig niedriger als im Bevölkerungsdurchschnitt, obwohl deren extremistische Positionen offenkundig im Widerspruch zur christlichen Botschaft stehen.
Das lässt sich zum Teil mit langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen erklären. Die katholische Immunität beruhte im Wesentlichen auf drei Voraussetzungen, die heute nicht mehr oder nur noch in Ansätzen vorhanden sind: einem intakten katholischen Milieu, einem geschlossenen katholischen Weltbild und dem Gehorsam gegenüber der kirchlichen Hierarchie.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





