
Lust, Schmerz, Heilung: Die Spuren auf unseren Körpern
Lust, Schmerz, Heilung : Die Spuren auf unseren Körpern Von Elena Witzeck 03.05.2026, 12:45 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Ruth Marten, No. 91 aus der Serie „All about Eve“ Van der Grinten Galerie, Valie...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Lust, Schmerz, Heilung : Die Spuren auf unseren Körpern Von Elena Witzeck 03. 2026, 12:45 Lesezeit: 5 Min. Bildbeschreibung ausklappen Ruth Marten, No.
91 aus der Serie „All about Eve“ Van der Grinten Galerie, Valie Export/VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Warum tun wir das – und wann ist es Kunst? In den Opelvillen Rüsselsheim versucht eine Ausstellung die wuchernde Welt des Tätowierens zu entschlüsseln. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App In Roald Dahls Kurzgeschichte „Haut“ trägt ein Mann ein Tattoo auf dem Rücken, das ihm ein alter Freund gestochen hat.
Die Einzelheiten
Es ist noch da, ein Frauenbildnis, unauslöschliche Erinnerung an die Zeit, als sie jung waren und liebten, aber die Freundschaft ist vergangen, der Tätowierer ein berühmter Künstler geworden und der andere, der Tätowierte, verarmt. In einer Galerie in Paris entdeckt er Bilder seines alten Freundes, er tritt ein, zeigt den anwesenden Sammlern seinen Rücken und spürt, wie sich sein neuer Wert bemisst. Sie wollen ihn kaufen, am besten nur den Rücken, die tote, abgezogene Haut.
Es geht hier um Macht, um Habgier, nachgeordnet aber auch um die Frage, wie man Tattookunst ausstellt, wenn nicht auf toter Haut. Als Dahls Text 1952 im „New Yorker“ erschien, war der Deutsche Herbert Hoffmann, ebenfalls Tattookünstler, schon dabei, auf seinen Streifzügen durch Nachkriegsdeutschland tätowierte Menschen zu fotografieren und ihre Lebensgeschichten auf Karteikarten zu schreiben. Ihm war die Haut nie mehr wert als der Mensch, deshalb wurden seine Fotografien so gut, man sieht ihnen die Hingabe an.
Teure Haut Er fand sie auf der Straße, seine Modelle, oder er besuchte sie zuhause, wo sie sich für ihn auszogen, Schausteller und Arbeiter, Seemänner, sie krempelten die Hemden hoch und posierten vor ihm, ganz so, wie es ihnen gefiel, Körper mit den Inschriften des Kriegs, gebeugte Rücken, Bäuche, über die sich Dornen ranken. Der Glatzköpfige, dessen Körper ein feines Netz aus Blumen, Insekten, Elfen, Schuppen ziert. Aber auch Hausfrauen.
Was Experten sagen
Die beiden Berliner, deren welkende Körper sich vor Hoffmanns Kamera zu einem Kunstwerk von großer Schönheit vereinen. Später empfing Hoffmann seine Modelle in seiner Tätowierstube in Hamburg, der ersten in Deutschland. Wer heute noch ein Herbert-Hoffmann Tattoo hat, dessen Haut ist auch ganz schön was wert.
Den Bildband „Bilderbuch Menschen“, der Hoffmanns Porträts zeigt, kann man auf Amazon nur noch gebraucht kaufen, er kostet 1147 Euro. In den Opelvillen in Rüsselsheim wird diese Kunstform nun also in angenehmster Umgebung im Programm der Designhauptstadt Frankfurt Rhein-Main 2026 gezeigt, als Partnerveranstaltung der wirklich fabelhaften „Mishpocha“-Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt. Beate Kemfert, die „Unter die Haut.
Tattoos im Blick“ kuratiert hat, findet die Verbindung naheliegend, ist so ein Sozialmilieu der Tätowierten nichtauch genau das, eine große, vielstimmige Familie, eine Mischpoche?
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





