
Mike Bird über Landbesitz: Wenn Eigentum dem Fortschritt im Weg steht
Mike Bird über Landbesitz : Wenn Eigentum dem Fortschritt im Weg steht Von Nikolai Ott 02.05.2026, 22:35 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Landerschließung ohne Bewohner: Ordos in China im Januar 2016 Hendrik...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Mike Bird über Landbesitz : Wenn Eigentum dem Fortschritt im Weg steht Von Nikolai Ott 02. 2026, 22:35 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Landerschließung ohne Bewohner: Ordos in China im Januar 2016 Hendrik Ankenbrand Das Land lässt sich nicht vermehren.
Aber es zieht immer mehr Kapital an, das dann anderswo fehlt. Eine fatale Situation, meint der „Economist“-Redakteur Mike Bird. Wie entkommt man dieser Falle?
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Land und Boden sind bis heute mit einem sentimentalen Schleier belegt. In einem romantischen Impuls werden die eigenen vier Wände als eine Festung vor etwa staatlichen Eingriffen oder gesellschaftlicher Modernisierung betrachtet. Dass der Boden, auf dem man lebt, mehr als nur ein harmloses Faktum ist, sondern eine ökonomisch-politische Antriebskraft, bleibt in diesem mystifizierten Blick auf Eigentum und Land meist außen vor.
Dass ausgerechnet der für die Wall Street zuständige Redakteur des „Economist“, Mike Bird, in seinem Buch „The Land Trap“ eine Genealogie der Landgewinnung vorgelegt hat, ist zunächst ein Paradoxon: zeigen nicht gerade die Börsenkurse, die von Software-Unternehmen und Chip-Konzernen bestimmt werden, dass das Zeitalter der Land-Unternehmer vorbei ist? Die Bodeneigentümer verdienen am Wachstum immer mit Dies ist einer der vielen – vermeintlichen – Widersprüche, die Bird auflöst: Der Erfolg der Dienstleistungsgesellschaft bedingt exorbitante Mietenanstiege in New York oder San Francisco und entsprechende Bodenwertsteigerungen. Und das gleiche Bankensystem, das heute die Erschließung von Datenzentren finanziert, lebt von kleinbürgerlichen Eigentumskrediten.
Kurzum, Materielles wie Nichtmaterielles lässt sich nicht künstlich trennen, weswegen die Unbegrenztheit des Nichtmateriellen wohl oder übel zum materiellen Problem wird. Mike Bird: „The Land Trap“ Portfolio Dass heute über steigende Mieten und teures Hauseigentum gesprochen wird, ist also den neuen Wachstumsschüben geschuldet, aber gleichzeitig auch Folge fehlender Erfahrung westlicher Gesellschaften mit der Landfrage, da jene im 20. Jahrhundert an die Peripherie der politischen Debatte rückte, wie in Birds Genealogie deutlich wird: Während bei Adam Smith bis Karl Marx der Vermieter noch ein Pejorativum war, hatten sich die entwickelten Industriegesellschaften sukzessive mit dem Bodeneigentum angefreundet.
Die Arbeiterbewegung brauchte keine Villa im Tessin, aber ein kleines Haus war ein vielfach gehegter Traum. Diese Mittelklasse-Politik, die zur – aus heutiger Sicht beneidenswerten – Wohnungsexpansion führte, folgte einer natürlichen Nachfrage, aber konstituierte auch eine politische Strategie, wie sich im Buch mehrfach nachvollziehen lässt.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





