
Nach britischen Wahlen: Über den Abgrund hinweg lächelt Farage
Nach britischen Wahlen : Über den Abgrund hinweg lächelt Farage Ein Kommentar von Johannes Leithäuser, London 11.05.2026, 17:10Lesezeit: 3 Min. „Zurück ins Herz von Europa“: Starmer reagiert am Montag auf die lokalen...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Nach britischen Wahlen : Über den Abgrund hinweg lächelt Farage Ein Kommentar von Johannes Leithäuser, London 11. 2026, 17:10Lesezeit: 3 Min. „Zurück ins Herz von Europa“: Starmer reagiert am Montag auf die lokalen Wahlniederlagen seiner Labour-Partei.
dpaPremierminister Starmer vermag es nicht, seine Labour-Partei klar auf einer Seite des Brexit-Grabens zu positionieren. Aber den Konservativen geht es nicht besser. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Mit anspruchsvollen Worten hat Keir Starmer am Montag angekündigt, seine Regierung werde Großbritannien zurück ins „Herz Europas“ führen.
Die Einzelheiten
Das war seine Reaktion auf die Wahlergebnisse in England, Wales und Schottland in der vergangenen Woche. Tatsächlich zeigen die Resultate in den Kommunen und Regionen, dass sich der Brexit noch immer ‒ oder sogar immer stärker ‒ als tiefer Graben durch die britische politische Landschaft zieht. Ein Jahrzehnt nach der Volksabstimmung, in denen die Austrittseifrigen knapp über die Mitgliedschaftsverteidiger siegten, ordnet sich die Parteienpräferenz der britischen Wähler zunehmend entlang dieser Frage, die im Grunde ja eine Vertrauensfrage in die Wirksamkeit politischer Systeme überhaupt ist.
Die in Westminster regierende Labour-Partei Starmers verlor im Norden Englands und im Süden von Wales scharenweise Kommunal- und Landtagsmandate an Nigel Farages Reform UK. Das sind genau jene verarmten Industriegegenden, die zwar einst klassische Labour-Milieus darstellten, die aber zugleich mit hohen Mehrheiten für den EU-Austritt stimmten. Starmers rote LinienDass Starmer diese angestammten Wähler nicht mehr an seine Partei binden konnte, hat unter vielen Gründen auch jenen, dass Labour zwar den EU-Austritt als schweren wirtschaftlichen Fehler identifiziert hat, sich aber trotzdem bloß mit halbem Willen Europa zuwendet.
Es fühlt sich an die roten Linien gebunden, die Starmer einst aus Rücksicht auf seine EU-skeptische Wählerklientel zog. Seine Ansage vom Montag ändert daran zunächst nichts. Die ungeduldigen Unzufriedenen im walisischen Wrexham und im nordenglischen Sunderland haben Labour zwar augenscheinlich deswegen bestraft, weil Starmer bislang ebenso wenig wie seine fünf konservativen Vorgänger die politischen Versprechen auf besseren Lebensstandard und größeres Zukunftsvertrauen hat einlösen können.
Aber dahinter steht doch der mangelnde Handlungsmut und Handlungsspielraum einer Regierung, die ihren Kreditrahmen ausgeschöpft hat, die zu energischen Sozialreformen nicht in der Lage ist und die mit jeweils einem Bein auf beiden Seiten des EU-Grabens steht. Es liegt eine Ironie darin, dass sich die vom politischen Establishment enttäuschten Wähler ausgerechnet jener politischen Kraft zuwenden, die durch ihre erfolgreiche Brexit-Kampagne die Verantwortung für das Handicap trägt, das auf wirtschaftlichem Wachstum und gesellschaftlichem Wohlergehen im Vereinigten Königreich liegt.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





