
Niedrige Geburtenrate: Deutschland behandelt seinen Nachwuchs, als sei er eine Last
Niedrige Geburtenrate : Deutschland behandelt seinen Nachwuchs, als sei er eine Last Ein Kommentar von Judith Lembke 13.05.2026, 15:39Lesezeit: 4 Min. Wo bleibt der Kinderlärm? Die niedrigen Geburtenraten zeigen sich...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Niedrige Geburtenrate : Deutschland behandelt seinen Nachwuchs, als sei er eine Last Ein Kommentar von Judith Lembke 13. 2026, 15:39Lesezeit: 4 Min. Wo bleibt der Kinderlärm?
Die niedrigen Geburtenraten zeigen sich schon in Kitas, in denen Plätze frei bleiben. Anjou VartmannMenschen, die sich bewusst gegen Nachwuchs entscheiden, bezeichnen sich nicht mehr als kinderlos, sondern als kinderfrei. Aber wie deprimierend wird sich das Leben anfühlen, wenn wir nur noch von anderen Alten umgeben sind?
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Der Begriff „kinderfrei“ hat eine seltsame Doppelbedeutung. Eltern sagen „Ich habe kinderfrei“, wenn sie ohne ihren Nachwuchs ins Kino gehen, weil die Großeltern auf ihn aufpassen. Das Wort verwenden aber auch immer mehr Menschen zur Selbstbeschreibung – vor allem Frauen –, die sich bewusst gegen eigene Kinder entschieden haben.
Das bislang übliche Wort „kinderlos“ klingt für sie zu sehr nach Verlust und Mangel, mit dem Suffix „-frei“ wollen sie ausdrücken, dass ein Dasein ohne eigenen Nachwuchs für sie keinen Verzicht bedeutet, sondern Lebensglück. Nun steht vor der Nachsilbe „frei“ üblicherweise etwas, das man als Belastung empfindet und gerne los wäre: Wer nicht grübelt, ist sorgenfrei, Raucher wären gerne nikotinfrei und Hauseigentümer schuldenfrei. Im Jahr 1933 wurde überall in Deutschland der Erfolg nationalsozialistischer Unrechtspolitik mit dem Wort „judenfrei“ bejubelt.
Mütter sind unglücklich, Eltern haben schlechten SexNun also kinderfrei. Ob jemand eigene Kinder oder auch nur den Gedanken daran als Last empfindet, ist höchst individuell und deswegen nicht diskutabel. Doch haben viele der Ich-Texte und Essays, die Kinderlosigkeit als persönliches Lebensmodell beschreiben und zuletzt im Wochentakt in allen großen Publikationen, auch der F.
Was Experten sagen
, erschienen sind, seltsam schrille Untertöne, was den Blick auf das Leben mit Kindern betrifft. Es wird unterstellt, Mütter seien unglücklicher als Frauen ohne Kinder, Eltern hätten schlechteren Sex, und das Bild der einsamen Greisin sei ein Versuch des Patriarchats, Frauen zum Kinderkriegen zu erpressen – und nicht Ausdruck einer demographischen Realität, weil Frauen im Schnitt vier bis fünf Jahre länger leben als Männer. Fast scheint es, als würde sich das über Jahrhunderte geprägte Bild, dass eigene Kinder eine notwendige Bedingung für eine gelungene Biographie sind, langsam umkehren: Ein glückliches Leben genügt sich selbst.
Die Geburtsstatistik widerlegt diese These nicht, im Gegenteil. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so wenige Kinder geboren wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. In anderen europäischen Ländern sieht es nicht anders aus, überall fallen die Geburtenraten, im Osten wie im Westen, vom familienpolitisch vorbildlichen Skandinavien bis zum katholischen Italien.
Selbst Frankreich, mit seinen vielen Geburten lange Zeit eine europäische Ausnahme, ist nicht gegen den Trend gefeit.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





