
NS-Raubkunst-Funde: „Es wurde geraubt, erzähl’ niemandem davon“
NS-Raubkunst-Funde : „Es wurde geraubt, erzähl’ niemandem davon“ Von Ursula Scheer 12.05.2026, 16:46Lesezeit: 3 Min. Fund im Flur: „Porträt eines jungen Mädchens“ von Toon KelderAFPIn den Niederlanden ist ein Gemälde...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. NS-Raubkunst-Funde : „Es wurde geraubt, erzähl’ niemandem davon“ Von Ursula Scheer 12. 2026, 16:46Lesezeit: 3 Min. Fund im Flur: „Porträt eines jungen Mädchens“ von Toon KelderAFPIn den Niederlanden ist ein Gemälde aufgetaucht, das Göring aus der Sammlung eines jüdischen Kunsthändlers raubte.
Der Fund zeigt einmal mehr: NS-Raubkunst in Privatbesitz ist immer noch ein Massenphänomen. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Der jüngste Fall wieder aufgetauchter NS-Raubkunst ist so aufsehenerregend wie alltäglich. Da hing wohl jahrzehntelang bei einer Frau in den Niederlanden, die Enkelin eines ranghohen holländischen Kollaborateurs mit den Nationalsozialisten ist, ein Gemälde aus dem früheren Eigentum des jüdischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker zuhause im Flur – für Besucher gut sichtbar, vor den Augen der Öffentlichkeit aber verborgen.
Die Einzelheiten
S Ein Hinweisgeber aus der FamilieSo sollte es nach dem Willen der Besitzerin auch bleiben, wie der auf gestohlene Kunstwerke spezialisierte Detektiv Arthur Brand Medienvertretern nun erzählte. Er hat das Bild, das „Porträt eines jungen Mädchens“ von Toon Kelder, entdeckt. „Es wurde Goudstikker geraubt, es ist unverkäuflich, erzähl’ niemandem davon“, soll die Enkeltochter Brand zufolge einem Mann aus ihrer Familie gestanden haben, der sich als anonymer Informant an den Detektiv wandte.
Dem „Telegraaf“ sagte der Mann, er schäme sich. Das Gemälde solle restituiert werden. Durch das Auktionshaus Van Ham 2021 an die Erbin Goudstikkers restituiert und anschließend für 7740 Euro brutto versteigert: Tafelbild „Der Heilige Wigbert mit Tieren“ aus dem Umkreis Joachim Patinirs, 1475/85Van HamNicht das Kunstwerk und dessen Wert – Gemälde des aus Rotterdam stammenden, 1973 gestorbenen Malers Kelder erzielen gegenwärtig in der Regel Preise im vierstelligen bis unteren fünfstelligen Bereich – sind von besonderem Interesse, sondern die Voreigentümer.
Da wäre zunächst der bedeutende Kunsthändler Jacques Goudstikker, der ein Unternehmen mit Stammsitz in Amsterdam führte und sich erst im Mai 1940 zur Flucht in die USA durchringen konnte. Dort angekommen ist er nie: Er starb zu Schiff auf dem Ärmelkanal nach einem Sturz. Rund 1400 Kunstwerke musste er in der Obhut seiner Angestellten zurücklassen.
Was Experten sagen
NS-Reichsmarschall Hermann Göring und sein Komplize Alois Miedl übernahmen durch eine Täuschung Goudstikkers Kunsthandlung und plünderten den Bestand. Das Kelder-Gemälde ließen sie versteigern. So dürfte es in die Hände des Kollaborateurs Hendrik Seyffardt gelangt sein, Kommandeur einer niederländischen Freiwilligen-Einheit der Waffen-SS, der 1943 von einer Widerstandsgruppe getötet wurde.
Auf seiner Beerdigung stilisierten ihn die Besatzer zum Märtyrer; Hitler schickte einen Kranz. Mehr als achtzig Jahre nach Kriegsende und fast dreißig nach Verabschiedung der „Washingtoner Prinzipien“ zur Restitution durch Institutionen ist in Privatbesitz verborgene Raubkunst immer noch ein Massenphänomen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





