
NSDAP-Mitgliedschaft: Max Czollek kritisiert die Familienrecherche
Mädchen warten am Wilhelmsplatz in Berlin auf Hitler, September 1938: »Familiäres Erschauern ohne größere Kosten« DER SPIEGEL; Foto: Bettmann Archive / Getty Images Kritik an NSDAP-Familienrecherche »Wofür betreiben wir...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Mädchen warten am Wilhelmsplatz in Berlin auf Hitler, September 1938: »Familiäres Erschauern ohne größere Kosten« DER SPIEGEL; Foto: Bettmann Archive / Getty Images Kritik an NSDAP-Familienrecherche »Wofür betreiben wir diese Art von Ahnenforschung jetzt, wenn wir sie jahrzehntelang nicht betrieben haben? « Jetzt in der NSDAP-Kartei nach Vorfahren zu suchen, sei wohlfeil, sagt der Publizist Max Czollek. Das tue heute keinem mehr weh.
Viele Deutsche nutzten die Familienrecherche eher, um selbst besser dazustehen. Ein Interview von Eva-Maria Schnurr 16. 17 Uhr Zur Merkliste hinzufügen X.
Die Einzelheiten
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SPIEGEL: Wie erklären Sie sich das große Interesse an der NSDAP-Mitgliederkartei , den offenbar großen Wunsch vieler Menschen, mehr über die eigene Familiengeschichte zu erfahren? Czollek: Das hat ja erst einmal etwas von Sensationssuche: herauszufinden, ob die eigenen Vorfahren in der Nazipartei gewesen sind. Ich finde das nicht besonders erklärungsbedürftig, vor allem wenn es in einem barrierearmen Umfeld wie dem Internet angeboten wird.
Die eigentliche Frage ist aber ja, was die Leute da herausfinden. Zur Person Foto: Peter Jülich / epd Max Czollek, geboren 1987, ist Publizist und Antisemitismusforscher. Mit Hadija Haruna-Oelker veröffentlichte er 2025 das Buch: »Alles auf Anfang.
Was Experten sagen
Auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur«; S. Fischer, 240 Seiten, 24 Euro. SPIEGEL: Dass ihre Vorfahren möglicherweise Hitler nicht so fern standen, wie sie vielleicht dachten.
Czollek: Aber wenn man jetzt weiß, Opa Erwin war in der Partei oder auch nicht – was heißt das denn genau? Die Information allein verrät ja nicht viel. Nicht nur weil die Kartei nicht ganz vollständig ist – maximal 90 Prozent der tatsächlichen Mitglieder lassen sich darüber finden –, sondern weil etwa Menschen, die Zwangsarbeiter beschäftigten, ja nicht unbedingt in der Partei waren oder jene, die als Soldaten in der Wehrmacht Verbrechen begingen.
SPIEGEL: Aber die Suche kann doch ein guter Einstieg in weitere Recherchen sein? Czollek: Wofür betreiben wir diese Art von Ahnenforschung jetzt, wenn wir sie jahrzehntelang nicht betrieben haben, vor allem dann nicht, als Opa oder Oma noch am Leben waren? Mein Verdacht ist: Das Interesse ist jetzt so groß, weil aus der Generation der Täter und Mitläuferinnen kaum noch jemand lebt und man jetzt ohne größere familiäre Kosten dieses Erschauern gemeinsam erleben kann.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





