
Opposition in der Türkei: Eine Hoffnungsträgerin unter Druck
Opposition in der Türkei : Eine Hoffnungsträgerin unter Druck Von Friederike Böge, Istanbul 11.05.2026, 10:35Lesezeit: 5 Min. Die Bürgermeisterin von Üsküdar (Stadtteil von Istanbul), Sinem Dedetaş: „In unserem Land ist...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Opposition in der Türkei : Eine Hoffnungsträgerin unter Druck Von Friederike Böge, Istanbul 11. 2026, 10:35Lesezeit: 5 Min. Die Bürgermeisterin von Üsküdar (Stadtteil von Istanbul), Sinem Dedetaş: „In unserem Land ist es so einfach, verhaftet zu werden, wie ein Simit auf der Straße zu kaufen.
“Stadtverwaltung ÜsküdarDie Bürgermeisterin des Istanbuler Stadtteils Üsküdar war 2024 das Gesicht der Wechselstimmung in der Türkei. Jetzt bekommt auch sie die Repressionen der Regierung zu spüren. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Man merkt Sinem Dedetaş an, dass sie sich vorkommt, als sei sie im falschen Film.
Die Einzelheiten
„Was wir gerade erleben, ist völlig irrational“, sagt die Bürgermeisterin von Üsküdar, einem Istanbuler Stadtteil auf der asiatischen Seite des Bosporus. Es ist noch nicht lange her, da verkörperte Dedetaş die neue Hoffnung der türkischen Opposition. Bei den Kommunalwahlen von 2024 hatte sie den religiös-konservativen Bezirk Üsküdar für die Republikanische Volkspartei (CHP) gewonnen – nachdem er 30 Jahre lang von Erdoğans AKP regiert worden war.
Dabei hatte es selbst in ihrer eigenen Partei geheißen, eine Frau könne dort nicht siegen. Die 44 Jahre alte Politikerin galt als so talentiert, dass sie schon ein Jahr später als mögliche Nachfolgerin für das Amt des Bürgermeisters von Istanbul gehandelt wurde. Inzwischen ist Dedetaş in der harten Realität angekommen.
Vor einem Monat wurde ihre Stellvertreterin inhaftiert. Nun muss sie sich fragen, ob sie die Nächste ist. „Niemand von uns fühlt sich sicher“, sagt die studierte Schiffsbauingenieurin.
Was Experten sagen
Wieder verkörpert sie die aktuelle Lage ihrer Partei. Es fällt schwer, sich eine Frau wie sie im Gefängnis vorzustellen. Eine elegante Erscheinung.
Im weißen Hosenanzug, mit Halstuch und Brillantohrringen, dezent geschminkt. Dedetaş verdreht die Augen und lacht, um zu unterstreichen, wie absurd ihr das alles vorkommt. Es sei, als müsse sie beweisen, dass sie nicht blond sei, obwohl es jeder sehen könne, sagt sie in ihrem geräumigen Büro in der Stadtverwaltung von Üsküdar.
Konkret werden ihrer Stellvertreterin Bestechlichkeit und Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Baugenehmigungen vorgeworfen. Die Ermittler seien allein an Akten interessiert, die nach ihrem Amtsantritt im April 2024 angelegt wurden, sagt Dedetaş. Dabei hätten viele der Bauprojekte lange vorher begonnen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





