
Parlament: Das britische Oberhaus verbannt den Erbadel
Parlament : Das britische Oberhaus verbannt den Erbadel Von Johannes Leithäuser, London 05.05.2026, 12:01 Lesezeit: 6 Min. Bildbeschreibung ausklappen Eine andere Ära: Mitglieder des Oberhauses im Jahr 2004 Die Labour...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Parlament : Das britische Oberhaus verbannt den Erbadel Von Johannes Leithäuser, London 05. 2026, 12:01 Lesezeit: 6 Min. Bildbeschreibung ausklappen Eine andere Ära: Mitglieder des Oberhauses im Jahr 2004 Die Labour Party macht ein Wahlversprechen wahr und setzt die 90 Erbadeligen ab.
Doch nicht alle müssen gehen. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Wenn König Charles III. , in seine Krönungsrobe gewandet und mit der imperialen Krone auf dem Haupt, am 13.
Die Einzelheiten
Mai das neue Sitzungsjahr des britischen Parlaments eröffnet, endet eine Ära. Erstmals wird der Monarch im rot ausgeschlagenen Saal des Oberhauses, in dem sein Thron steht, so gut wie der Einzige sein, der seine Anwesenheit von einem Geburtsrecht ableiten kann. Unter den mehreren Hundert noblen Lords und Baroninnen, die ihn in ihren roten, mit falschem Hermelin besetzten Roben umgeben, werden sich keine Repräsentanten des britischen oder irischen Erbadels mehr finden lassen, die dank ihrer Herkunft und ihrem Adelstitel einen Sitz in der Kammer des Oberhauses beanspruchen können.
Die britische Labour Party, die mit ihrer Mehrheit im Unterhaus des Parlaments seit knapp zwei Jahren die Regierung in Westminster stellt, versprach vor Jahren schon in ihrem Wahlprogramm, sie werde die Repräsentanten des Erbadels endgültig aus dem Oberhaus vertreiben. Einen ersten, großen Schritt in diese Richtung hatte vor einem Vierteljahrhundert der damalige Labour-Premierminister Tony Blair unternommen. Seine kämpferische Absicht, allen knapp 800 adligen Familienoberhäuptern, die dank ihrem Titel über einen angestammten Sitz im „Haus der Lords“ verfügten, dieses Recht zu entziehen, endete in einem Kompromiss.
Nach der Reform blieben damals 90 Plätze für den Erbadel übrig. Die Gesamtheit der adligen Anspruchsberechtigten entscheidet seither per Wahl, wer diese Sitze einnimmt. Zwei weitere Mitgliedschaften wurden damals außerdem für die adligen Inhaber hoher Hofämter konserviert, für den Earl Marshal, den Zeremonienmeister des Monarchen, und den Lord Great Chamberlain.
Nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht Der Große Kammerherr hat beispielsweise die Aufgabe, bei der feierlichen Eröffnung des parlamentarischen Sitzungsjahres den König nach seiner Vorfahrt mit der Staatskarosse vor dem Palast von Westminster im königlichen Ankleidezimmer mit Mantel und Krone auszustaffieren. Der Marschall wiederum achtet darauf, dass auf dem königlichen Prozessionsweg durch die Gemächer des Oberhauses hin zum Thronsitz alles mit rechten Dingen zugeht. Die Funktion des Earl Marshals wird seit 350 Jahren in der Familie des Herzogs von Norfolk vererbt, während sich die Rolle des Lord Great Chamberlain gleich drei Familien teilen; die Cholmondeleys, die Ancasters und die Carringtons; die Ersteren besitzen dabei die Hälfte des Anrechts, sind also jedes zweite Mal dran, wenn der Vorgänger verstorben ist, die beiden anderen Familien kommen hingegen nur jedes vierte Mal an die Reihe.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





