
Schöner schreiben: Annemarie Schwarzenbach und das Rätsel Iran
Schöner schreiben Iran-Trip auf Morphium – und die Sonne »schwarz kreisend über dem roten Rand der Erde« Unser Kolumnist zeigt an Beispielen aus der Literatur, wie kraftvoll die deutsche Sprache sein kann. Folge 134:...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Schöner schreiben Iran-Trip auf Morphium – und die Sonne »schwarz kreisend über dem roten Rand der Erde« Unser Kolumnist zeigt an Beispielen aus der Literatur, wie kraftvoll die deutsche Sprache sein kann. Folge 134: Annemarie Schwarzenbachs Faszination für Persien. Die Deutschkolumne von Hauke Goos 17.
16 Uhr Zur Merkliste hinzufügen Artikel anhören (5 Minuten) 5 Min X. com Facebook E-Mail Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen X. com Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren Bild vergrößern Schwarzenbach 1939 in Zürich Foto: LBS_SR01-01270 / Stiftung Luftbild Schweiz / ETH-Bibliothek Zürich Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+.
Die Einzelheiten
Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Erst gegen sechs Uhr begann die Dämmerung. Ketten tauchten auf und versammelten sich, vom dunklen Violett und fast schwarzer Stahlfarbe bis zum Gelb und zarten Blau.
Fast in Wolken aufgelöst, trat – zweihundert Kilometer entfernt – endlich der Demawend hervor. Wir warteten auf einem Hügel, bis die Sonne, durch Feuergarben angekündigt, schwarz kreisend über dem roten Rand der Erde aufstieg. – Annemarie Schwarzenbach, Persepolis.
Reportagen aus der Fremde Vielleicht ist diese unter den großen Fragen die allergrößte: Warum wollen wir Menschen eigentlich immer weg von dort, wo wir gerade sind? Warum glauben wir, dass es woanders schöner ist? Wozu das ganze Verreisen, Umherfahren, Erkunden – wenn man sich doch in der Fremde beinahe überall so fremd fühlt wie daheim?
Was Experten sagen
Die Reisereporterin Annemarie Schwarzenbach, 1908 in Zürich als Tochter eines reichen Seidenfabrikanten geboren, kannte beides: das nur scheinbar zielgerichtete Aufbrechen, das, wie jeder Reisende weiß, vor allem eine Fluchtbewegung ist. Und das nur scheinbar ziellose Umherfahren, das in Wahrheit fast immer eine Suchbewegung beschreibt. Schwarzenbach fand ihre Lieblingsfremde in Persien, dem heutigen Iran.
1933 war sie zum ersten Mal dort und im Spätsommer 1934 gleich noch einmal, immer mit dem Auto. »Das Land ist zu gross«, schrieb sie überwältigt an Klaus Mann, mit dem sie befreundet war und der ihre Gier nach dem Fremden und wohl auch ihre Sehnsucht nach dem Unbestimmten teilte: »Was es auch sei, es wächst mir über den Kopf. « Bild vergrößern Klaus Mann 1933, fotografiert von Annemarie Schwarzenbach Foto: Annemarie Schwarzenbach / akg-images / picture alliance Kann es sein, dass Iran unter allen fremden Ländern eines der fremdesten ist?
Rätselhafte Städte und ungeheure Wüsten, dazu Kargheit, Ödnis und das unbestimmte Gefühl, das Licht scheine irgendwie intensiver auf diese Welt: Immer ist die Dunkelheit schwärzer und die Helligkeit gleißender als daheim. Das Erste, was einem in jeder Fremde auffällt: dass die Farben anders sind als zu Hause. Satter irgendwie, kühner aufgetragen, eigenartig kombiniert.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





