
Schulpläne der AfD: Homeschooling ist ein Rückschritt in die Vormoderne
Schulpläne der AfD : Homeschooling ist ein Rückschritt in die Vormoderne Ein Kommentar von Heike Schmoll 07.05.2026, 11:58Lesezeit: 3 Min. Homeschooling in den USA: Unterricht zu Hause in MorristownAPAlle Kinder haben...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Schulpläne der AfD : Homeschooling ist ein Rückschritt in die Vormoderne Ein Kommentar von Heike Schmoll 07. 2026, 11:58Lesezeit: 3 Min. Homeschooling in den USA: Unterricht zu Hause in MorristownAPAlle Kinder haben ein Recht auf den Schulbesuch und freie Entfaltung.
Das soll durch die Schulpflicht garantiert werden. Die Pläne der AfD für Sachsen-Anhalt gehen in eine andere Richtung. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Angesichts der Pläne der AfD, die Schulpflicht abzuschaffen und durch eine Bildungspflicht zu ersetzen, wachsen vor allem bei Akademikern die Sympathien für das Homeschooling.
Die Einzelheiten
Bezeichnenderweise plädieren gerade jene Eltern dafür, die das staatliche Schulsystem kritisch sehen und sich Lehrern ebenbürtig, wenn nicht überlegen fühlen. Kritik am Bildungssystem ist berechtigt und nicht neu. Es gab sie schon in der Antike, auch während der Reformationszeit, als Melanchthon die Schwachstellen der Universitäten zum Ausgangspunkt einer großen Universitätsreform und Bildungsoffensive machte.
Damals gab es allerdings keine allgemeine Schulpflicht. Aber es gab Vorformen – schon in der Antike. Dazu zählt die Zwangsrekrutierung der Jugendlichen in Sparta.
Luthers Forderung, dass „man die Kinder zur Schule halten solle“, diente in erster Linie dazu, die Lesefähigkeit zu sichern, damit jeder Protestant selbst die Bibel lesen konnte und nicht auf das priesterliche Monopol der Auslegung angewiesen war. Mit dem Schulbesuch war also ein Akt der Befreiung, der Emanzipation des Individuums aus der Bevormundung der Kirche verbunden. Schulpflicht erst in der Weimarer VerfassungErst 1794 führte Preußen eine Unterrichtspflicht ein, die allerdings noch nicht mit einer Schulpflicht zu verwechseln war.
Was Experten sagen
Vielmehr wurden die Hausväter dazu verpflichtet, den Unterricht für ihre Kinder zu sichern – durch Hauslehrer oder private Schulen. Darauf hat der Berliner Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenorth immer wieder hingewiesen. Die öffentliche Schule war jenen Kindern vorbehalten, deren Eltern dieser Aufgabe nicht nachkommen wollten oder konnten.
Eltern von Kindern, die Schulen besuchen mussten, galten als ungebildet und defizitär. Wer die Abschaffung der Schulpflicht fordert, muss wissen, dass er im Grunde die Bildungsverhältnisse der Vormoderne wiederherstellt. Die ohnehin wirkungsmächtigen Privilegien der sozialen Herkunft werden noch stärker hervortreten als ohnehin schon.
Eltern mit unzureichenden Sprachkenntnissen und Bildungsgrundlagen, mit Migrationsgeschichte oder doppelter Berufstätigkeit können nicht einfach die Rolle der Lehrer einnehmen. Und ob diejenigen, die sich so ohne Weiteres zutrauen, was andere in einer fünfjährigen Ausbildung erlernen, das wirklich beherrschen, bleibt zumindest fraglich. Haben nicht alle Kinder das Recht auf einen eigenen Lebensraum?
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





