
Seelsorge im Bündnisfall: Die Kirchen machen sich kriegstüchtig
Seelsorge im Bündnisfall : Die Kirchen machen sich kriegstüchtig Von Thomas Jansen 05.05.2026, 09:06 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Bundeswehrsoldaten feiern 2009 im afghanischen Kunduz einen Gottesdienst...
No Meeting by June 30 — Where will Trump and Putin meet after that?
Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Seelsorge im Bündnisfall : Die Kirchen machen sich kriegstüchtig Von Thomas Jansen 05. 2026, 09:06 Lesezeit: 4 Min. Bildbeschreibung ausklappen Bundeswehrsoldaten feiern 2009 im afghanischen Kunduz einen Gottesdienst in der Feldkapelle.
Gefallene, Kriegsgefangene und eine verunsicherte Bevölkerung: Die Kirchen beschreiben, was der NATO-Bündnisfall für die Seelsorge bedeuten würde. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Im Bündnisfall sei damit zu rechnen, „dass in Deutschland Kriegsgefangene untergebracht werden“. Dieser Satz stammt nicht etwa aus der Strategie für Landes- und Bündnisverteidigung, die Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) jüngst vorgestellt hat.
Die Einzelheiten
Er steht in einem „internen Arbeitspapier“ der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In dem 26 Seiten umfassenden „Ökumenischen Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“ befassen sich die beiden Kirchen in beispielloser Unverblümtheit damit, welche Aufgaben auf die Seelsorge zukommen „in Szenarien militärischer Bedrohung und gewaltsamer Konflikte, die auch Deutschland unmittelbar betreffen können“. Als Ziel nennen sie eine „Stärkung der organisatorischen Resilienz“.
Das Arbeitspapier entstand, wie dem Text zu entnehmen ist, nach Gesprächen mit der Bundeswehr. Es orientiert sich am „Operationsplan Deutschland“ der Bundeswehr, der seit 2024 fortwährend aktualisiert wird, aber nur in Grundzügen bekannt ist. Ihm liegt die Annahme zugrunde, dass Deutschland im Falle eines Angriffs auf einen oder mehrere NATO-Mitgliedstaaten zu einer logistischen Drehscheibe würde.
Nur an entlegener Stelle publiziert Die Folgen beschreibt das Arbeitspapier deutlicher, als der Verteidigungsminister dies bisher öffentlich je getan hat: Aufgrund der Erfahrungen aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sollte „von einer hohen Anzahl an Verwundeten und Gefallenen ausgegangen werden“. Außerdem werde es durch Truppenbewegungen im Land „für die Zivilbevölkerung Einschränkungen in bisher unbekanntem Ausmaß geben“, die zu „großer Verunsicherung“ führen und „Betreuungsbedarf generieren“ würden. Wie heikel der Spagat zwischen Denkschriften zur Friedensethik und Seelsorge im Bündnisfall für die Kirchen ist, zeigen die Umstände der Veröffentlichung.
Was Experten sagen
Offiziell vorgestellt wurde das Dokument nicht, weder die EKD noch die Deutsche Bischofskonferenz gaben eine Pressemitteilung dazu heraus. Andererseits sollte das Arbeitspapier aber offenbar auch nicht „intern“ bleiben, wie es der Titel suggeriert. So publizierten EKD und Bischofskonferenz den Text Ende März an entlegener Stelle auf ihren jeweiligen Internetseiten.
Auf der Seite der Bischofskonferenz ist er unter der Rubrik „Katholische Friedensarbeit“ zu finden, zwischen den Schlagworten „Papst Leo und der Frieden“ und „Kommission Justitia et Pax“. Dem Vernehmen nach war die evangelische Seite die treibende Kraft.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





