
Soziologe Daniel Oesch: „Die Mittelschicht könnte zur großen Verliererin der KI-Revolution werden“
Soziologe Daniel Oesch : „Die Mittelschicht könnte zur großen Verliererin der KI-Revolution werden“ Von Jannis Koltermann 07.05.2026, 11:49Lesezeit: 5 Min. Jobs, die womöglich heute durch KI ersetzt werden könnten:...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Soziologe Daniel Oesch : „Die Mittelschicht könnte zur großen Verliererin der KI-Revolution werden“ Von Jannis Koltermann 07. 2026, 11:49Lesezeit: 5 Min. Jobs, die womöglich heute durch KI ersetzt werden könnten: Szene aus der Fernsehserie „The Office“.
imago images/Everett CollectionWelche Berufsgruppen gehören ökonomisch zu den Gewinnern, welche zu den Verlierern? Wählt die AfD, wer zu wenig verdient? Ein Gespräch mit dem Soziologen Daniel Oesch über Einkommensentwicklungen und ihre Folgen.
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist in den vergangenen 30 Jahren um gut 20 Prozent gestiegen. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen der Wirtschaft. Welche Berufsgruppen haben verloren, welche gewonnen?
In ganz Westeuropa hat die Beschäftigung der Höherqualifizierten zugenommen, jene der Niedrigqualifizierten abgenommen. Zu den größten Verlierern zählen Produktionsarbeiter, also Beschäftigte am Fließband oder in der Fertigung, ebenso Kleinunternehmer mit wenigen Angestellten. Die Gewinner wiederum finden sich unter Managerinnen und Beratern, unter technischen Experten wie etwa Architektinnen und Informatikern, aber auch in staatsnahen Berufen, bei Ärzten, Lehrerinnen und Sozialarbeitern.
Wie kommt es zu diesen Unterschieden? Die Jobs von Niedrigqualifizierten wurden durch den technologischen Wandel häufiger ersetzt, etwa durch Maschinen, Software und Automatisierung, oder durch die Globalisierung in Länder mit niedrigeren Löhnen verlagert. Höherqualifizierte hingegen konnten dank neuer Technologien ihre Wertschöpfung steigern und wurden dadurch noch wertvoller.
Was Experten sagen
Spiegelt sich das auch in der Lohnentwicklung wider? Die Löhne der Höherqualifizierten stiegen, weil sie auf dem Arbeitsmarkt stärker nachgefragt wurden, während die Löhne der Niedrigqualifizierten stagnierten. Allerdings kommt bei der Lohnentwicklung ein entscheidender Faktor hinzu: Verhandlungsmacht.
Wo Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gut organisiert sind, etwa dank starker Gewerkschaften, fließen Produktivitätsgewinne in breite Lohnerhöhungen, zum Beispiel bei Chemielaboranten. Wo diese Macht fehlt, landen sie eher bei den Aktionären oder bei einer kleinen Gruppe von Spitzenverdienern, wie etwa in der Fleischindustrie oder bei Paketdiensten. Wie erklären sich aber die Lohnzuwächse in Bereichen wie Gesundheit oder Bildung, die auf den ersten Blick weniger stark vom technologischen Fortschritt profitieren?
In Deutschland sorgte zuletzt der Fall der Psychotherapeuten für Aufsehen, deren Honorare seit 2013 um mehr als 50 Prozent gestiegen waren und die nun gegen eine Honorarkürzung um 4,5 Prozent protestierten. Daniel Oesch, Professor für Wirtschaftssoziologie an der Universität Lausanne. privatProduktivitätsgewinne führen nicht nur zu höheren Löhnen und Unternehmensgewinnen, sondern auch zu niedrigeren Preisen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





